Nördlingen: Jugendamt nimmt Kinder der Gemeinschaft „Zwölf Stämme“ in Obhut

 

Nördlingen: Jugendamt nimmt Kinder der Gemeinschaft „Zwölf Stämme“ in Obhut

Den Mitgliedern der in Bayern ansässigen Glaubensgemeinschaft „Zwölf Stämme“ ist vorläufig das Sorgerecht für ihre Kinder entzogen worden. Grund dafür seien Hinweise auf „erhebliche und dauerhafte Kindesmisshandlung durch die Mitglieder der Sekte“, sagte eine Sprecherin des Landratsamts Donau-Ries.

Die 28 Kinder und Jugendlichen der christlichen Gemeinschaft aus Klosterzimmern in der Nähe von Nördlingen wurden am Donnerstagmorgen mit Unterstützung der Polizei von Mitarbeitern des Landratsamtes abgeholt und in mehrere Pflegefamilien sowie Jugendhilfeeinrichtungen gebracht. Laut Polizei leisteten die Mitglieder der Glaubensgemeinschaft dabei keinen Widerstand.

Der Direktor des Amtsgerichts Nördlingen, Helmut Beyschlag, sagte dem epd, dass das Familiengericht das Jugendamt mit einer einstweiligen Anordnung als Pfleger für die Kinder bestellt habe, weil man „massive Gefährdungen des Kindswohles“ durch körperliche Züchtigung sowie Isolation der Kinder und Jugendlichen befürchtet habe. Bis das Familiengericht in der Sache endgültig entschieden und die Eltern sowie deren Kinder angehört hat, blieben die Kinder in Pflegefamilien, dürfen aber Kontakt zu ihren Eltern haben.

Nach Informationen des Bayerischen Rundfunks holte die Polizei zeitgleich auch in Wörnitz (Kreis Ansbach) zwölf Kinder aus ihren Familien, die ebenfalls der Sekte angehören.

In der Vergangenheit hatte es immer wieder Streit um die Schulpflicht der Kinder gegeben. Im Juni entzog das Kultusministerium der Gemeinschaft die Erlaubnis, ihre Kinder selbst zu unterrichten. Als Grund wurde damals angegeben, dass die Schule Probleme hat, qualifizierte Lehrer zu finden. Ein Schulpflichtverstoß sei aber nicht Grund für den teilweisen Entzug des Sorgerechts, sagt Amtsgerichtsdirektor Beyschlag. Dass Recherchen eines RTL-Reporters den Behörden die nötigen Beweise geliefert hatten, wie der Sender am Donnerstag mitteilte, wollte Beyschlag weder bestätigen noch dementieren.

 

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