Rosch HaSchanah: Das jüdische Neujahrsfest

 

Rosch HaSchanah: Das jüdische Neujahrsfest

Das jüdische Neujahrsfest Rosch HaSchanah (2013: 5./6. September) ist für Juden eine Zeit der Besinnung, der Vergebung und des Neuanfangs. Es bildet außerdem den Auftakt für den großen jüdischen Festzyklus, der im Herbst das neue jüdische Jahr einleitet.

Nach dem Abendgebet beginnt mit einem Festmahl am Vorabend des 1. Tischri das neue Jahr in der jüdischen Zeitrechnung. Die Festlichkeiten zu Rosch HaSchanah , dem „Jahresanfang“, dauern zwei Tage.

 Es ist eine Zeit der Besinnung, der Umkehr und des Neuanfangs. Die jüdische Tradition legt die Erschaffung des ersten Menschen – und damit den Geburtstag der Menschheit und der Welt – auf diesen Tag. Rosch HaSchanah steht am Beginn des großen jüdischen Festzyklus‘, der jedes Jahr im Herbst das neue jüdische Jahr einleitet.

 So folgt nach zehn weiteren Tagen der Buße der große Versöhnungstag Jom Kippur als der höchste Feiertag des jüdischen Jahreskreises. Der Festzyklus wird schließlich durch das Laubhüttenfest Sukkot fortgesetzt, das die Wanderung des Volkes Israel greifbar machen soll und durch das Fest der Gesetzesfreude Simchat Torah abgeschlossen wird. Letzteres markiert Ende und Neuanfang des jährlichen Lesezykluses der Torah und somit den Beginn eines neuen „liturgischen Jahres“ im Rahmen des synagogalen Gottesdienstes.

 Das Blasen des Schofar (Widderhorn) ist ein wichtiges Element des Gemeindegebets an Rosch HaSchanah . Der Schofar wird nach einer von der Tradition festgelegten Form während des Morgengottesdienstes der beiden Festtage in der Synagoge vorgetragen. Der Schall des Schofarhorns erinnert an die Bereitschaft Abrahams, seinen Sohn Isaak zu opfern (1. Mose 22,1-19).

 Chassidische Juden erklären ihn auch als wortlosen Schrei aus der Tiefe des Herzens: „Für unsere Sünden haben wir keine Ausflucht, keine eigene Rechtfertigung vor Gott.“

 Das jüdische Neujahrsfest ist noch unter weiteren Namen bekannt, die den spannungsreichen Charakter des Festes beschreiben. So wird der Tag etwa als „Jom HaDin“, als Tag des Gerichts bezeichnet.

 Dies entspricht der talmudischen Tradition, welche von drei Büchern berichtet, die das Schicksal der Menschen im kommenden Jahres enthalten und dem Allmächtigen zwischen dem Neujahrsfest und dem Versöhungstag vorliegen.

  Die beiden Bücher der vollkommen Gerechten und der unverbesserlichen Frevler werden nur kurz geöffnet und geschlossen, da das Urteil – Leben für die Gerechten, Tod für die Frevler – keiner Bedenkzeit bedarf. Das dritte Buch enthält die große Masse der noch unentschiedenen Schicksale, die vor Gott weder als Gerechte, noch als unverbesserliche Sünder gelten können. Dieses Buch wird erst am großen Versöhnungstag, dem Jom Kippur, geschlossen.

 Während der zehn Tage zwischen Rosch HaSchanah und Jom Kippur erflehen die Gläubigen das Erbarmen Gottes und bitten um Vergebung, um für die Zeit des neuen Jahres in das Buch des Lebens eingeschrieben zu werden.

 Dieses Mühen und Flehen reicht aber nicht aus, solange es nur an den Allmächtigen gerichtet ist. Die jüdische Tradition vertritt die Vorstellung, dass Gott nur die Sünden zwischen Gott und Mensch vergeben kann. Die Vergehen zwischen Mensch und Mensch müssen zwischenmenschlich wieder in Ordnung gebracht werden. So wird in diesen Tagen der Buße besonders unter religiösen Juden verstärkt um Vergebung gebeten und auch Vergebung ausgesprochen.

 Im Blick darauf, dass am Jom Kippur die Gerichtsentscheidung gefällt wird, wünscht man sich auch in säkularen Kreisen in Israel zwischen Rosch HaSchanah und Jom Kippur als Grußformel „Chatimah Tovah“, einen „guten Eintrag (ins Buch des Lebens)“.

 Die beiden Neujahrstage gelten in Israel als öffentliche Feiertage. Wie am Sabbat ruhen die öffentlichen Verkehrsmittel. Viele Israelis nutzen die beiden Neujahrstage zu einem Kurzurlaub, nicht zuletzt ins europäische Ausland. Tausende von Bratzlaver Chassidim pilgern in diesen Tagen nach Uman in der Ukraine zum Grab des Rabbi Nachman von Bratzlav. Dieser hatte seinen Anhängern befohlen, auch nach seinem Tod Rosch HaSchanah mit ihm zu verbringen. Rabbi Nachman wusste, dass die Hauptfreude am Neujahrsfest eine Frucht der Buße ist, weil man neu beginnen darf. Obwohl Rosch HaSchanah und der Schall des Schofarhorns eine Ankündigung des Gerichts sind, wissen die Chassiden doch zu feiern, denn „wir werden von unserem Vater im Himmel geliebt und er möchte uns zu sich ziehen“.

 Zentrale Bibelstellen zum jüdischen Neujahrsfest sind 3. Mose 23,23-25; 4. Mose 29,1-6; Nehemia 8,1-12; Psalm 81,4-5

 

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