Spricht Gott direkt zu den Menschen?

 

Pro und Kontra

Spricht Gott direkt zu den Menschen?

Spricht Gott direkt zu den Menschen?

v.l.: Der Vorsitzende der (charismatischen) Geistlichen Gemeinde-Erneuerung in der Evangelischen Kirche, Pastor Henning Dobers, und der Vorsitzende des Bibelbundes, Dozent Michael Kotsch. Fotos: Foto-Schmook/idea/kairospress

Wetzlar (idea) – Die evangelische Bestsellerautorin, Philosophin und Seelsorgerin Sarah Young (Perth/Australien) behauptet in ihren Büchern, Offenbarungen von Jesus Christus persönlich erhalten zu haben. In der aktuellen christlichen Bestsellerliste in Deutschland ist sie gleich mit zwei Andachtsbüchern auf den Plätzen 1 und 8 vertreten. Doch sprechen Gott und sein Sohn Jesus Christus heute noch direkt zu den Menschen? Zu dieser Frage äußern sich zwei evangelikale Theologen in einem Pro und Kontra für die Evangelische Nachrichtenagentur idea (Wetzlar).

Pro: Gott hat es nicht die Sprache verschlagen

Pastor Henning Dobers (Hannoversch Münden), der Vorsitzende der (charismatischen) Geistlichen Gemeinde-Erneuerung in der Evangelischen Kirche, sagt Ja: „Gott hat es weder nach Christi Himmelfahrt noch nach Pfingsten und auch nicht nach der Kanonwerdung des Neuen Testaments die Sprache verschlagen.“ Christen hätten einen dreieinigen Gott, „dessen Wesen Kommunikation ist“. Er habe sich nicht schweigend in den Himmel zurückgezogen: „Wir glauben, dass Gott allgemein und konkret redet und mit sich reden lässt.“ Auch die Bibel verweise an mehreren Stellen darauf, dass Gott spreche, wenn es etwa heißt, „dass die Schafe die Stimme ihres Hirten hören“ (Johannes 10,16.27). Auch nach Pfingsten rede der Heilige Geist sehr klar (Apostelgeschichte 13,2): „Bis heute ist das so.“ Gott tue dies primär durch das Wort Gottes. Er spreche aber auch in das gemeinsame und gehorsame Hören der Glaubenden hinein. Dobers: „Oft erlebe ich das Reden Gottes durch Umstände, die sinnvoll, weiterführend und heilsam sind. In kritischen Situationen erfahre ich – erbeten oder überraschend – sein direktes Reden. Eher selten, aber sehr wohl gebraucht Gott auch Träume, prophetische Bilder oder direkte Worte.“

Kontra: Gott hat sich „ein für alle Mal klar in der Bibel ausgedrückt“

Anderer Auffassung ist der Vorsitzende des Bibelbundes, Dozent Michael Kotsch (Bad Meinberg bei Detmold). Gott habe sich „ein für alle Mal klar und deutlich in der Bibel ausgedrückt“. Wenn Christen der Ansicht seien, sie hätten Gottes Stimme gehört, stünden häufig „Machtinteressen und Geltungssucht“ dahinter. Kotsch: „In einer maßlosen Selbstüberschätzung meinen heute viele Christen, jede innere oder äußere Stimme stamme von Gott. Vielfach hat man verlernt, seine eigenen Hoffnungen, Wünsche, Ängste, Sympathien und Assoziationen von Gottes Mitteilungen zu unterscheiden.“ Damit würden „die eindeutigen Mitteilungen Gottes in der Bibel entwertet, weil ihre Glaubwürdigkeit auf dieselbe Stufe gestellt wird wie die Spekulationen offenbarungshungriger Christen“. Kotsch zeigt Verständnis für den Wunsch, „einen heißen Draht direkt zu Gott zu haben“. Doch sollte es zu denken geben, wenn eine solche Informationsdichte wie heute in der Bibel nicht vorkomme. Er wundere sich darüber, dass es beim vermeintlichen Reden Gottes heute oft zu skurrilen und widersprüchlichen Äußerungen komme und dies „seltsamerweise kaum jemanden irritiert“. In der Bibel hätten selbst die großen Propheten und Apostel „relativ selten direkte Mitteilungen Gottes“ erhalten. Und wenn, habe es sich „nicht um private Entscheidungshilfen, sondern um Wegweisung für das ganze Volk Israel oder die gesamte Gemeinde gehandelt“.

 

Schreibe einen Kommentar

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s