idea-Interview mit Kauder Gott nicht aus der Gesellschaft vertreiben

idea-Interview mit Kauder

Gott nicht aus der Gesellschaft vertreiben

Gott nicht aus der Gesellschaft vertreiben

Der Vorsitzende der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, Volker Kauder. Foto: Laurence Chaperon

Berlin (idea) – Vor einer Verdrängung des Religiösen aus dem öffentlichen Leben hat der Vorsitzende der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, Volker Kauder, gewarnt. „Wenn Gott aus der Gesellschaft vertrieben wird, wird es schlimm. Das haben wir in der deutschen Geschichte erlebt“, sagte der Politiker in einem Interview mit der Evangelischen Nachrichtenagentur idea. Der 63-Jährige steht dem Pietismus nahe. Nach seinen Worten ist das „C“ für ihn ein Halt im Leben. Der Dialog mit dem Islam sollte nach seiner Ansicht nicht dazu führen, dass man die eigene religiöse Überzeugung aufgibt: „Wir Christen haben durch Jesus Christus das unglaubliche Geschenk erhalten, Gott als Vater ansprechen zu können.“ Die entscheidende Passage im Neuen Testament seien die Worte Jesu „Niemand kommt zum Vater denn durch mich“. Kauder: „Das ist das Revolutionäre.“ Das sei etwas anderes als bei den Muslimen, die zu Allah beten. Deswegen müsse klar sein: „Jeder respektiert die Religion des anderen, aber es gibt eben Unterschiede.“ Sich darüber zu verständigen, sei notwendig und richtig.

Warum die Türkei bislang kein EU-Mitglied werden kann

Mit Blick auf einen möglichen Beitritt der Türkei zur Europäischen Union verteidigte Kauder die Position seiner Partei, die eine besondere Partnerschaft mit dem Land anstrebt, aber keine EU-Vollmitgliedschaft. „Wir drängen darauf, dass weitere wichtige Verhandlungen aber nur dann geführt werden, wenn die Türkei zusagt, die Religionsfreiheit in ihrem Land zu gewährleisten. Ob die Türkei dazu bereit ist, ist sehr die Frage. Ein Land, das die Religionsfreiheit nicht zu 100 Prozent umsetzt, ist meilenweit von dem Europa entfernt, wie wir es verstehen.“ Kauder betonte zudem, dass das Christentum nach wie vor die am stärksten verfolgte Religionsgemeinschaft der Welt sei. Besonders in Ländern, in denen der Islam Staatsreligion ist, hätten es andere Religionen schwer: „Und mit dem Islam gibt es vor allem deshalb Schwierigkeiten, weil er entgegen der Menschenrechtscharta der Vereinten Nationen einen Übertritt zu einer anderen Religion nicht zulässt.“ Kauder dankte in diesem Zusammenhang der Evangelischen Allianz und dem Hilfswerk Open Doors dafür, „dass sie sich schon seit Jahren für verfolgte Christen einsetzen und uns in unserer politischen Arbeit so unterstützen“.

Distanz zum EKD-Familienpapier

Zum Verhältnis zwischen den Kirchen und der CDU erklärte Kauder, man stimme in vielen wichtigen Punkten überein, „etwa in der Ablehnung der Sterbehilfe oder auch in sozialen Fragen“. Allerdings könne er es sich nicht vorstellen, „dass wir uns als CDU im Ganzen die Aussagen der EKD zu Ehe und Familie zu eigen machen“. In seiner jüngsten „Orientierungshilfe“ rückt das Leitungsgremium der EKD, der Rat, von der Ehe als alleiniger Norm ab und vertritt ein erweitertes Familienbild, das unter anderem auch gleichgeschlechtliche Lebensgemeinschaften und sogenannte „Flickenteppich-Familien“ einschließt. Kauder zufolge gibt es zwar verschiedene Formen von Familie: „Die Kernfamilie aber besteht aus der Ehe von Mann und Frau und den Kindern, die daraus hervorgegangen sind. Das ist für mich noch immer das Leitbild von Familie.“ Er vermute, dass die EKD mit ihren Aussagen in dem Papier „wieder einmal dafür sorgt, dass Landeskirchler zu den Freikirchen wechseln“.

„Schon ganz andere Kämpfe“ durchgestanden

Allerdings sei inzwischen auch in der EKD eine lebendige Debatte im Gange. Er selbst habe in der evangelischen Kirche „schon ganz andere Kämpfe“ durchgestanden, etwa während der Nachrüstungsdebatte in den achtziger Jahren, „als all jenen, die für die Nachrüstung eintraten, Kriegstreiberei vorgeworfen wurde“. Kauder äußerte sich auch zum Lebensschutz: „Ich bin gegen Abtreibung und habe das auch immer formuliert. Ich bin den evangelikalen Christen dankbar, dass sie dies genauso sehen. Aber leider gibt es dafür in der Gesellschaft keine Mehrheit.“

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