Der nächste Wolf im Schafspelz?

Robert Zollitsch warnt vor der AfD

Von Alexander Kissler13. August 2013
picture alliance
Robert Zollitsch warnt
Robert Zollitsch warnt

Der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz warnt vor der „Alternative für Deutschland.“ Ein Bischof aber hat kein Mandat, sich in den Wahlkampf einzumischen. Wer es dennoch tut, fällt hinter die Moderne zurück. Robert Zollitsch hätte besser geschwiegen

Seite 1 von 2

Ist es wieder soweit? Ist die Zeit zurückgekehrt, da Prälaten von Kanzeln herabdonnern, welche Partei ihre Schäflein zu wählen haben und welche auf gar keinen Fall? Will die Kirche der Demokratie abermals in die Speichen greifen? Offenbar. Zumindest der Freiburger katholische Bischof Robert Zollitsch hat sich ganz nonchalant gegen die Errungenschaften der Bundesrepublik, des neuen Kirchenrechts und des Zweiten Vatikanischen Konzils gestellt und ex Cathedra erklärt: Katholiken, wählt nicht die „Alternative für Deutschland!“

Der Tonfall war mild, das Ansinnen ist indiskutabel. Zollitsch erklärte in einem Zeitungsinterview, er gebe der AfD seinen „Segen“ nicht. Laut Zollitsch nämlich liegt „unsere Zukunft in Europa und nicht in der Rückkehr in die Nationalstaaten. Ich hoffe, dass wir diese Frage auf Dauer überwunden haben, und dass es nur ein paar Nostalgiker sind, die nicht in den Bundestag einziehen werden.“ Der Euro, setzte der 75-Jährige hinzu, „zwingt uns, weiter zusammenzukommen.“

Lassen wir die interessante Einschätzung des Euros als eines Zwangssystems beiseite, sehen wir hinweg über die geschichtstheologische Spekulation, die Nationalstaaten seien bereits überwunden, suchen wir nicht nach den tieferen Quellen, aus denen sich Zollitschs Erkenntnis speist, der Einsatz für Europa und die Kritik am Brüsseler Finanzregiment widersprächen sich, und seien wir gnädig genug, ihm die Frage zu ersparen, inwieweit sich die Hirtensorge eines Bischofs für alle Gläubigen mit der Denunziation eines Teils als „Nostalgiker“ verträgt. Gewiss gibt es auch im Bistum Freiburg überzeugte Katholiken, die sich für die AfD engagieren und die sich nun in den Senkel gestellt sehen.

Keine Petitesse aber ist die Amtsanmaßung, die sich hinter diesen Sätzen verbirgt. Ein Bischof hat schlicht nicht das Mandat, die Öffentlichkeit – noch dazu in Wahlkampfzeiten – über demokratische Parteien zu belehren. Es steht ihm nicht zu, politische Zensuren zu verteilen. Gewiss, das Bistum Freiburg gefällt sich als Klimaschutz- und Kita-Kirche und will sich in seiner gesellschaftspolitischen Modernität von niemandem übertreffen lassen will. Da mag eine Blutgrätsche gegen die bürgerliche Konkurrenz aus den Tiefen des Unbewussten aufsteigen.

Eine Antwort zu “Der nächste Wolf im Schafspelz?

  1. jetzt verkaufen sich auch schon die „Herren des Glaubens“

Schreibe einen Kommentar

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s