Nahtod-Experten: Neue US-Studie zum Sterbeprozess rein spekulativ

 

Der Lösung des Rätsels Nahtod kommt man mit der neuen US-Studie zur Hirnaktivität im Sterbeprozess nach Ansicht des Diplom-Psychologen Michael Utsch nicht näher: „Wesentliche Lebensfragen lassen sich nicht wissenschaftlich klären“. Dann komme das zum Tragen, was man glaube.

Nahtod-Experten warnen vor einer Überbewertung einer neuen US-Studie zur Hirnaktivität im Sterbeprozess. Die bei Ratten ausgeführten Forschungen hätten absolut keinen Bezug zu Nahtoderfahrungen bei Menschen, sagte der Vorsitzende des „Netzwerks Nahtoderfahrung“, Alois Serwaty, am Dienstag dem Evangelischen Pressedienst. Das sei alles völlig spekulativ. Der Berliner Diplom-Psychologe Michael Utsch erklärte: „Wesentliche Lebensfragen lassen sich nicht wissenschaftlich klären.“ Dann komme das zum Tragen, was man glaube, fügte der Referent der Evangelischen Zentralstelle für Weltanschauungsfragen hinzu.


 US-Forscher wollen der Lösung des Phänomens Nahtod ein Stück näher gekommen sein. Ein starker Anstieg der Hirnaktivität während des Sterbeprozesses könne für die intensiven Erfahrungen und Visionen verantwortlich sein, von denen Menschen nach einer Nahtoderfahrung erzählen, berichtete der britische Sender BBC am Dienstag unter Berufung auf eine Studie der US-amerikanischen Universität von Michigan. Das sei das Ergebnis einer Tierstudie an Ratten.


 „Dieses Datenmaterial zeigt, dass das Gehirn von Säugetieren paradoxerweise neuronale Entsprechungen eines erhöhten Bewusstseinszustandes in Todesnähe erzeugen kann“, heißt es in einer Zusammenfassung der Studie. Untersucht wurden die Hirnströme von Ratten, die einem experimentellen Herzstillstand unterzogen worden. Bisher wurde meist angenommen, das Gehirn während eines Herzstillstandes mehr oder weniger inaktiv sei. „Wir haben herausgefunden, dass dies absolut nicht stimmt“, zitiert die BBC den Leiter der Studie, Jimo Borjigin: „Das Gehirn ist im Sterbeprozess sogar viel aktiver als im normalen Wachzustand.“


 Bei einem Nahtoderlebnis beobachten Menschen ihren eigenen Körper oft von außen. Sie berichten vom Gefühl zu schweben, von Lichtvisionen und Glück; oft erinnern sie sich später an eine Begegnung mit Verstorbenen oder einen Lebensfilm, der ablaufen sei. Viele der Überlebenden sind enttäuscht über die „Rückkehr“ in ihren oft kranken Körper.


 Der Psychologe Utsch erklärte, das alte Problem bei der Nahtodforschung sei, dass diese Studien immer gerne für eine weltanschauliche Interpretation genutzt würden oder auch als ein Beleg für ein Leben nach dem Tod. Das Phänomen Nahtod solle dann als Gottesbeweis dienen oder als Beleg für die Unsterblichkeit der Seele. Es sei aber medizinisch nicht zu klären, in welchem Zustand sich die Seele nach dem Tod befinde oder was die Seele überhaupt sei, hob Utsch hervor. Es sei auch nicht klar, was mit dem Bewusstsein passiere. Antworten darauf seien abhängig von einer kulturellen Deutung oder einer religiösen Interpretation. Utsch: „Da kommen wir auch mit dieser Studie nicht weiter.“


 Wie Serwaty weiter erklärte, suggeriert der Begriff Nahtod, dass diese Erfahrungen in der Regel immer in Todesnähe auftreten. Serwaty: „Das stimmt aber nicht.“ Diese Erlebnisse könnten auch in anderen Extremsituationen wie bei einem Unfall aber auch unvermittelt im Alltag passieren.


 Schätzungsweise vier Millionen Deutsche haben einmal nach einem Unfall, bei schwerer Krankheit, bei einer Geburt oder ganz spontan ein solches außerordentliches Erlebnis, erklärt der Verein „Netzwerk Nahtod-Erfahrung“. Dies geschehe oft – aber nicht immer – während eines Herzstillstandes. Viele Menschen ändern nach einer solchen Erfahrung ihr Leben radikal, und geben an, keine Angst mehr vor dem Tod zu haben. Einige Forscher erklären Nahtod-Zustände als Halluzinationen etwa in Folge von Sauerstoffmangel im Gehirn oder der Ausschüttung von Stresshormonen in Extremsituationen.

 

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