INTERNATIONALER TERRORISMUS Al-Kaida in der Offensive

 

INTERNATIONALER TERRORISMUSAl-Kaida in der Offensive

Das Terrornetzwerk Al-Kaida hat sich in vielen Ländern fest etabliert. Die Terrorwarnung der USA ist eine Reaktion auf die wachsende Zahl der Anschläge.

Ein somalischer Kämpfer einer Randgruppe von Al-Kaida (Archiv)

Ein somalischer Kämpfer einer Randgruppe von Al-Kaida (Archiv)

Noch nie zuvor haben die Vereinigten Staaten eine so umfassende Terrorwarnungfür weite Teile der islamischen Welt erlassen. 22 US-Botschaften und Konsulate bleiben am Sonntag und teilweise auch die nächsten Tage geschlossen – in Nordafrika, dem gesamten Nahen Osten bis herunter an die Südspitze der Arabischen Halbinsel sowie in Afghanistan und Pakistan. Allen US-Bürgern wurde per Reisewarnung nahegelegt, bis Ende des Monats vor allem in sehr touristischen Gegenden besonders vorsichtig zu sein.

Andere westliche Nationen schlossen sich dem amerikanischen Vorgehen bisher nicht an. Einzig in Jemens Hauptstadt Sanaa blieben auch die deutsche, französische und britische Mission geschlossen. Von dort stammen offenbar die konkreten Hinweise zu geplanten Anschlägen des Terrornetzwerks Al-Kaida auf „amerikanische und westliche“ Ziele. In den Straßen des Botschaftsviertels fuhren zusätzliche Schützenpanzer der „Zentralen Sicherheitskräfte“ auf, die seit Jahren von amerikanischen und britischen Ausbildern im Anti-Terrorkampf trainiert werden.

Doch nicht nur im Jemen, auch in vielen anderen Staaten des Nahen und Mittleren Ostens haben sich Al-Kaida-Zellen längst fest etabliert. Im Juli erließ Interpol eine weltweite Anschlagswarnung, nachdem die Gotteskrieger an mehreren Gefängnisausbrüchen beteiligt waren, die spektakulärsten im Irak, Pakistan und Libyen. Es seien „Hunderte Terroristen und gewöhnliche Kriminelle“ aus der Haft befreit worden, schrieb die internationale Polizeibehörde und erinnerte daran, dass sich am kommenden Mittwoch die verheerenden Angriffe auf die US-Botschaften in Kenia und Tansania zum 15. Mal jähren. Damals wurden 223 Menschen getötet und über 4.000 verwundet, es war das erste Doppelattentat von Al-Kaida.

„Die Schlachtfelder wachsen zusammen“

Inzwischen operieren deren Kommandos überall mit professioneller Kaltschnäuzigkeit. Vor zwei Wochen sprengten Angreifer nahe Bagdad mit simultan gezündeten Selbstmordbomben die Gefängnistore auf und befreiten über 500 Häftlinge. Bis in die frühen Morgenstunden dauerten die Kämpfe, über 100 Raketen wurden abgefeuert. „Es warten schwarze Tage auf den Irak – einige der Geflohenen waren zum Tode verurteilte Al-Kaida-Führungskader“, kommentierte ein hoher Sicherheitsbeamter. Diese Leute würden nun Rache üben, „wahrscheinlich durch noch mehr Selbstmordattentate“. Dabei erlebt der Irak schon jetzt die schlimmste Welle der Gewalt seit fünf Jahren. Mit 1.050 Toten war der Juli der blutigste Monat seit Ende des Bürgerkriegs 2006/2007.  „Wir gehen gar nicht mehr aus dem Haus. Gehst du in ein Café, kannst du getötet werden. Gehst du zu deinem Auto, kannst du getötet werden. Oder gehst du in den Supermarkt, kannst du getötet werden“, klagte ein Familienvater in Bagdad.

Der Bürgerkrieg in Syrien verschärft die Konflikte im Nachbarland Irak. Jenseits der Grenze operieren Tausende Dschihadisten, von denen die meisten aus dem Irak, viele auch aus Saudi-Arabien, Tunesien, Ägypten, aber auch aus Europa und Nordamerika, Russland und Tschetschenien kommen. Erst im April vereinigten sich die Al-Kaida-Verbände von Irak und Syrien zum „Islamischen Staat im Irak und in der Levante“. „Die Schlachtfelder wachsen zusammen“, sagte der bisherige UN-Sonderbeauftragte für den Irak, Martin Kobler. Und in Syrien tragen die Extremisten, obwohl geringer an der Zahl, die Hauptlast im Kampf gegen das Assad-Regime.

Immer häufiger jedoch geraten sie mit der Freien Syrischen Armee und der Bevölkerung aneinander. Denn die Gotteskrieger richten Scharia-Gerichtshöfe ein, drangsalieren die Menschen mit ihren frommen Vorschriften. Zahlreiche Exekutionen von gefangenen Assad-Soldaten gehen auf ihr Konto. In Latakia zogen sie sich den Zorn des Oberkommandos der Freien Syrischen Armee zu, als sie im Streit um eine Straßensperre einen populären Kommandeur erschossen. Vor einer Woche eskalierten auch die Kämpfe zwischen Al-Kaida und Milizen der syrischen Kurden. Als Vergeltung nahmen die Extremisten 200 Kurden als Geiseln.

Quelle: Zeit Online

 

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