„Bibel über Gesetz“: Finnische Ministerin steht zu ihrem Glauben

Die finnische Innenministerin Päivi Räsänen löste mit dem Bibelzitat „Man muss Gott mehr gehorchen als den Menschen“ in ihrem Land eine Debatte darüber aus, ob die Bibel höher zu stellen sei als die weltlichen Gesetze und darüber, was eine Innenministerin öffentlich sagen darf. Im Interview mit dem christlichen Medienmagazin pro reagiert sie auf die Kritik.

pro: Frau Räsänen, was war Ihr Ziel, als Sie aus Apostelgeschichte 5, 29 zitiert haben?

Päivi Räsänen: Ich habe meine Rede während eines christlichen Seminars gehalten. Ich wurde gebeten, über den Glauben zu sprechen und über das Thema, was es bedeutet, in einer Zeit Christ zu sein, in der die Welt immer säkularer wird. In meiner Rede habe ich auch thematisiert, dass wir Christen oft mit schwierigen moralischen Entscheidungen konfrontiert sind. Meine Rede widerspricht nicht der offiziellen Lehre der lutherischen Kirche beim Verhältnis von Gesetz und Gottes Wort, nach Artikel 17 des Augsburger Bekenntnises: „Deshalb sind es die Christen schuldig, der Obrigkeit untertan und ihren Geboten und Gesetzen gehorsam zu sein in allem, was ohne Sünde geschehen kann. Wenn aber der Obrigkeit Gebot ohne Sünde nicht befolgt werden kann, soll man Gott mehr gehorchen als den Menschen“ (Apg. 5, 29).

Was halten Sie davon, dass so viele Finnen aufgrund Ihrer Rede aus der Kirche austreten?

Die Medienaufmerksamkeit für meine Rede steht in keinem Verhältnis. Ich fühle mich nicht dafür verantwortlich, dass Menschen aus der Kirche ausgetreten sind. Wenn die Menschen wegen meiner Rede aus der Kirche austreten, muss ihre Bindung zur Kirche eher klein sein. Das Feedback, was ich persönlich per E-Mail oder SMS bekommen habe, war zu 98 Prozent positiv.

Letztendlich haben Sie Ihre Aussagen relativiert. Warum?

Ich bereue meine Rede nicht und ich stehe zu meinem Wort. Ich bin nicht der Meinung, dass ich meine Aussagen relativiert habe. Als das Medieninteresse an meiner Rede aufkam, sollte ich konkrete Beispiele dafür nennen, wann Gottes Wort Vorrang vor menschlichen Gesetzen hat. Ich führte extreme Beispiele von Situationen an, in denen eine Regierung ihren Bürgern befiehlt, grundlegende Menschenrechte zu verletzen oder sogar anderen Menschen das Leben zu nehmen. Leider kennen wir aus der Geschichte solche traurigen Situationen. In solchen Situationen übertrifft die Moral der Heiligen Schrift das menschliche Gesetz.

Ich habe außerdem angeführt, das ich als Ärztin, was mein ziviler Beruf ist, mit Abtreibung konfrontiert war. Als Christin habe ich mich wegen meines Gewissens geweigert, Abtreibungen durchzuführen. Das Abtreibungsrecht in Finnland erkennt aber nicht das Recht eines Arztes an, die Durchführung einer Abtreibung aufgrund des Gewissens abzulehnen. Deswegen kommen Christen manchmal in Situationen, in denen die einzige Lösung für sie ist, sich einer Situation, zum Beispiel ihrem Beruf, zu entziehen, wenn sie verlangt, gegen Gottes Wort zu verstoßen. Das ist möglich, ohne das Gesetz zu brechen. Ich habe auch klar gemacht, dass Christen unter finnischem Gesetz in der Regel nicht mit solchen Entscheidungen konfrontiert sind und dass das finnische Gesetz eingehalten werden muss.

Was antworten Sie Kritikern, die sagen, Sie haben als ein Kirchenmitglied gesprochen, aber nicht als Ministerin?

Die Situationen, in der ich gesprochen habe, war ganz klar ein christliches Seminar in einem vertrauten Rahmen. Mit der Rede habe ich mich an die Seminarteilnehmer gewandt. Trotzdem mag ich es nicht, zwischen verschiedenen Rollen zu unterscheiden. Ich bin immer die gleiche Päivi Räsänen, egal wohin ich gehe oder wo ich spreche; ich bin Parteivorsitzende und Innenministerin. Ich halte es für äußerst wichtig, dass Minister, genauso wie andere Menschen, ein Recht auf Redefreiheit und die Freiheit, religiöse Überzeugungen zu äußern, haben.

Wie geht es für Sie jetzt weiter?

Ich werde auch weiterhin als Innenministerin arbeiten und mich um die mir betreuten Aufgaben für religiöse und Kirchenangelegenheiten in Finnland kümmern.

Das Interview führte Martina Schubert.

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