Die Unbeirrbaren von Nasr City

 

PRO-MURSI-PROTESTEDie Unbeirrbaren von Nasr City

Mursis Anhänger geben nicht auf: In Kairo haben Hunderttausende die Rückkehr des gestürzten Präsidenten gefordert. Das Militär hielt sich zurück.

Unterstützerinnen des gestürzten ägyptischen Präsidenten Mohamed Mursi

Unterstützerinnen des gestürzten ägyptischen Präsidenten Mohamed Mursi

Noch einmal drauftreten, auf das Bild des Generals; dann weiterdrängeln, die ägyptische Fahne schwenken und Sprechchöre anstimmen: „Hau ab, Sisi! Hau ab, Sisi!“ Während Armeechef Abdel Fattah al-Sisi für die einen ein Volksheld ist, verkörpert er für die Menschen hier den Feind schlechthin, die Konterrevolution. Absichtlich haben die Anhänger des vom Militär gestürzten Mohamed Mursis die Bilder Sisis auf der Straße verteilt. Möglichst viele sollen den General mit den Füßen treten.

Das tun sie auch, denn kaum ein Flecken Asphalt bleibt auf der Protestmeile im Kairoer Randbezirk Nasr City am Freitagnachmittag frei. Hunderttausende sind zusammengekommen, um für die Rückkehr Mursis zu demonstrieren. Aus dem ganzen Land sollen seine Anhänger in die Hauptstadt geströmt sein. Bis spät in die Nacht zogen Demonstrationszüge durch die Stadt, auch durch Kairos Zentrum. Die Islamisten, allen voran Mursis Muslimbrüder, hatten zu einem Marsch der Millionen aufgerufen.

Samir Abed kampiert seit Tagen in einem Zelt auf der Protestmeile in Nasr City. An sein Auto hat der 48-Jährige Bilder blutverschmierter Männer geklebt. Sie zeigen die Opfer des grausamen Zusammenstoßes zwischen Militär und Islamisten vor dem Offiziersclub der Republikanischen Garde, bei dem am Montag mehr als 50 Menschen getötet worden waren. Welche Seite für die Eskalation verantwortlich ist, hängt von der jeweiligen Perspektive ab.

Für Samir Abed ist klar: „Das sind keine Muslime, die so etwas machen, das sind Terroristen“. Er meint die ägyptischen Sicherheitskräfte, denen nicht nur er, sondern auch die Menschenrechtsorganisation Amnesty International unverhältnismäßige Gewalt vorwirft.

Bis vor kurzem noch, erzählt Abed, habe er für eine Krankenversicherung gearbeitet. Doch zur Arbeit geht er nicht mehr. „Alles was jetzt zählt, ist, dass ich hier bin“, ruft er aufgebracht und entschuldigt sich im nächsten Moment für seinen Zorn, den er nur schwer verbergen kann, wenn er über das „Massaker“ vor der Republikanischen Garde spricht.

„Wir werden siegen oder sterben“

Durch die Menschenmenge vor Abeds Zelt drängelt sich ein junger Mann. „Es gibt keinen Gott außer Gott“, steht auf einem grünen Band, das er sich um die Stirn gebunden hat. Auf den Rücken hat er sich einen ebenfalls grünen Wasserkanister geschnallt und spritzt zur Erfrischung wild in der Gegend umher. Nur die wenigen Frauen im Camp verschont er. Sie dürfen sich freiwillig für die Abkühlung entscheiden.

Auch Muhammad Atef schwitzt. Der 21-Jährige trägt einen Helm und eine dicke, schusssichere Weste. Schusssicher sei sie nicht wirklich, korrigiert er zugleich, sie helfe allein gegen Schrotmunition. Muhammad gehört zum Sicherheitsteam des Protestlagers. Die Sportweste hat er von seinem Kampfsportverein, von dem zahlreiche Mitglieder ins Camp gekommen seien.

„Ich werde bleiben, bis Mursi wiederkommt, oder sterben“, sagt er. Atef sieht nicht aus, als meine er das ernst. Vielleicht hat er sich von einem Poster inspirieren lassen, das einige Meter weiter an einer Zeltwand hängt: „Wir werden nicht kapitulieren“, heißt es dort, „wir werden siegen oder sterben.“

Mursis Anhänger sind fest entschlossen, ihren geschassten Präsidenten zurück ins Amt zu bringen. Bis dahin setzen sie auf Totalverweigerung, lehnen jegliche Kooperation mit der vom Militär eingesetzten Übergangsregierung ab. Der Chef der Übergangsregierung Hazem al-Beblawi ist bereits dabei, ein Kabinett zu bilden. Bis Ende kommender Woche könne es vereidigt werden, sagte er am Freitag. Dass Mursi tatsächlich einmal zurückkommen wird, darauf weist im Moment nichts hin.

(CID-Redaktion: Das dümmste Schaf sucht seinen Schlächter selber)

 

 

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