UN-MissionAuf dem Golan wird es zu gefährlich

UN-MissionAuf dem Golan wird es zu gefährlich

Der Einsatz auf dem Golan galt unter Blauhelmen als eher langweilig. Jetzt zieht Österreich seine Soldaten ab – zum Schutz vor Kämpfern aus Syrien. Von J. Riedl, Wien

© Menahem Kahana/AFP/GettyImages

UN-Soldaten auf den GolanhöhenUN-Soldaten auf den Golanhöhen

Aus der geplanten Rotation wird nun doch nichts: Das österreichische Blauhelm-Kontingent auf den Golanhöhen tritt den „geordneten Rückzug“ an, so der Presseoffizier des Bundesheeres. Die Sicherheit der Soldaten könne nicht mehr garantiert werden, verkündeten die Spitzen der Regierungskoalition am Donnerstagabend in seltener Einigkeit. Nur wenige Stunden zuvor waren die Kämpfe zwischen den syrischen Regierungstruppen des autokratischen Regimes von Baschar Al-Assad und der Rebellenallianz den UN-Beobachtern so nahe gerückt wie nie zuvor in dem zweijährigen Konflikt.

Am Vormittag hatten Aufständische den Grenzposten bei der Geisterstadt Kuneitra in Sichtweite der österreichischen Soldaten erobert und kurze Zeit später nach einem Gegenangriff wieder räumen müssen. Für die Blauhelme gab es Bunkeralarm. Granaten schlugen plötzlich auch im Camp des Logistik-Bataillons ein, das hauptsächlich von indischen Einheiten, sowie einigen Österreichern betrieben wird.

Damit geht eine knapp 40 Jahre dauernde Präsenz Österreichs im Nahostkonflikt zu Ende. Zuletzt hatten 381 österreichische Soldaten, verteilt auf 14 Stützpunkte in dem schmalen Streifen Gelände, das auf den Golanhöhen Israel von Syrien trennt, ausgeharrt. Dort, in der nördlichen Hälfte der entmilitarisierten Zone, sollten sie als UN-Beobachter die Einhaltung der Waffenstillstandsbedingungen nach dem Jom-Kippur-Krieg überwachen.

Der Syrienkrieg weitet sich auf die Anrainer aus

Trotz einiger Todesfälle galt der Dienst unter den Blauhelmen die längste Zeit als eher langweiliger denn riskanter Einsatz. Doch in den vergangenen Wochen waren die 917 Mann der Friedenstruppe immer stärker in einen Hexenkessel geraten. Das kroatische Kontingent war bereits abgezogen worden, neben den Österreichern harrten nur mehr Inder und Filipinos aus. Mehr als 14 Tage lang wurde zuletzt ein verbissener Kampf um die syrische Kleinstadt Kusseir geführt, die an einer wichtigen Verbindungsroute zwischen der Hauptstadt Damaskus und dem Nachschubhafen Latakia nahe der libanesischen Grenze liegt. Kämpfer der schiitischen Hisbollah-Miliz griffen auf Seiten der regulären Armee in die Auseinandersetzung um diese Schlüsselstellung ein und gaben den Ausschlag, dass der strategisch wichtige Kontrollpunkt den Rebellen entrissen wurde.

Längst hat sich der Bürgerkrieg in Syrien zu einem Konflikt entwickelt, in den zunehmend die ganze Region einbezogen wird. Es geht nicht mehr nur um das Überleben des Assad-Regimes. Die Hauptkampflinie verläuft nun zwischen schiitischen und sunnitischen Bevölkerungsgruppen, zwischen dem Iran und den Ölstaaten am Golf. Sie mischen mit Geld, Waffen und Legionären mit. Und auch Israel droht tiefer in die unübersichtliche Gemengelage gezogen zu werden. Sollte Russland tatsächlich, wie angekündigt, seinem Verbündeten in Damaskus moderne S-300-Flugabwehrraketen liefern, könnte der jüdische Staat der Versuchung nachgeben, mit einem Präventivangriff die neue Bedrohung auszuschalten, um nicht die eigene Luftüberlegenheit zu gefährden.

Es ist anzunehmen, dass in diesem Fall das syrische Regime oder dessen Alliierte von der Hisbollah versuchen werden, Vergeltung zu üben. Auch die Männer der Friedensmission drohen so schnell zwischen die Fronten zu geraten, wenn nicht gar ins Visier der Konfliktparteien.

Verantwortlich dafür, dass österreichische Blauhelme in Gefahr schwebten, in Mitleidenschaft gezogen zu werden, war eine diplomatische Schlappe, die Österreich in der vergangenen Woche bei der Außenministerkonferenz der EU in Brüssel hatte einstecken müssen. Zwar hatte Außenminister Michael Schindelegger zuvor stets angekündigt, Österreich werde sich gezwungen sehen, sein Kontingent vom Golan abzuziehen, sollte die EU ihr Waffenembargo für die syrische Rebellenallianz ersatzlos auslaufen lassen.

Quelle: Zeit Online

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