Muslime in evangelischen Kitas anstellen?

Pro und Kontra

Muslime in evangelischen Kitas anstellen?

Muslime in evangelischen Kitas anstellen?

Kirche und Diakonie für Mitarbeitende aus anderen Religionen öffnen? Foto: PR/ddpimages/Torsten Silz

Wetzlar (idea) – In Deutschland gibt es über 9.000 evangelische Kindertagesstätten. Sie werden zunehmend auch von Kindern aus nicht-christlichen Familien besucht, etwa muslimischen. Sollten diese Einrichtungen deshalb auch Muslime beschäftigen? Diese Frage wird derzeit in Kirche und Diakonie diskutiert. Ein Befürworter und ein Gegner einer solchen Praxis äußern sich in einem Pro und Kontra für die Evangelische Nachrichtenagentur idea (Wetzlar).

Pro: Interreligiöse Kompetenz stärkt evangelisches Profil

Der Kirchenpräsident der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau, Volker Jung (Darmstadt), plädiert für ein ernstes Nachdenken darüber, „Kirche und Diakonie ganz bewusst für Mitarbeitende aus anderen Religionen zu öffnen“. Evangelische Einrichtungen könnten so zu Vorbildern werden: „Hier wird Zusammenleben über Glaubensgrenzen hinweg täglich eingeübt.“ Menschen aus anderen Religionen könnten dazu laut Jung einen wertvollen Beitrag leisten: „Natürlich bleibt die Grundprägung der Einrichtung evangelisch, und mitarbeiten kann nur, wer die Grundprägung in ihren Zielen bejaht.“ Interreligiöse Kompetenz durch Mitarbeitende aus anderen Religionen schwächten nicht das evangelische Profil, sondern seien Ausdruck dieses Profils. Schon jetzt seien vor allem in vielen diakonischen Einrichtungen zahlreiche Menschen nicht-christlichen Glaubens beschäftigt. Im Sinne eines guten Verständnisses von Toleranz gehe es darum, sie nicht nur zu dulden, weil man keine Christen gefunden habe. Es komme darauf an, sie zu akzeptieren. Aus einer „Kirche für andere“ könne so eine respektvolle „Kirche mit anderen“ werden. In der Ökumene werde dies von vielen Kirchen genau so gelebt.

Kontra: Wo „evangelisch“ draufsteht, muss „evangelisch“ drin sein

Anderer Meinung als Jung ist der Co-Leiter der Verbandsgruppe christlicher Kindertagesstätten im Verband Evangelischer Bekenntnisschulen, Prof. Wolfgang Stock (Woltersdorf bei Berlin). Er ist überzeugt: „Wo ‚evangelisch‘ draufsteht, muss auch ‚evangelisch‘ drin sein.“ Denn eine Kindertagesstätte werde entscheidend durch ihre Erzieherinnen geprägt. Sie seien durch ihr Verhalten Vorbilder für die ihnen anvertrauten Kleinkinder: „Da kommt es auf jede einzelne Beziehungserzieherin für jedes einzelne Kind an und auf die erlebbare christliche Dienstgemeinschaft als Ganzes. Wie soll das mit muslimischen Erzieherinnen gehen?“ Außerdem erwarteten Eltern, die ihr Kind in einer „evangelischen“ Kita anmelden, Christen als Erzieher: „Und sie erwarten die gute Nachricht von Jesus, Beten vor dem Essen und christliche Lieder.“ Der Vorstoß aus Hessen-Nassau scheint, so Stock, von der Sorge der Landeskirchen getrieben, keine christlichen Mitarbeiterinnen zu finden: „Aber dieses Problem löst man gerade nicht durch die Aufgabe seines Alleinstellungsmerkmals. Freie evangelische Träger mit einem klaren christlichen Profil haben jedenfalls kaum Personalprobleme.“

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