NAI – Nachrichten aus Israel Freitag, 24. Mai 2013

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Ultraorthodoxe sehen ihre Zukunft durch Militärdienst in Gefahr

Freitag, 24. Mai 2013 |  Tommy Mueller

Die geplante Einberufung von ultraorthodoxen Bibelschülern zum Militär schlägt in Israel hohe Wellen. Ultraorthodoxe Politiker wie der Abgeordnete Meir Porush (Vereinigte Thora-Partei) werfen der Regierung vor, sie wolle die „Welt der Thora“ zum Einsturz bringen. Mehrere Vereinigungen der Streng-Religiösen kündigten entschiedenen Widerstand an. Geschimpft wird vor allem auf den neuen Finanzminister Yair Lapid. Dessen säkulare Zukunftspartei ist mit dem Versprechen angetreten, die Lasten innerhalb der israelischen Gesellschaft gerechter zu verteilen.

Verunsichert von der ganzen Debatte zeigt sich mittlerweile sogar die Armeeführung. Sie hatte ein öffentliches Gelöbnis mit jungen Ultraorthodoxen angesetzt, die sich freiwillig zum Militär gemeldet hatte. Weil sie jedoch Massenproteste und Störungen durch gewaltbereite ultraorthodoxe Gruppen befürchtete, sagte die Armee die Veranstaltung wieder ab. Daraufhin wurden Vorwürfe laut, das Militär gehe vor den Ultraorthodoxen in die Knie. Nun soll die Vereidigung der gläubigen Soldaten doch noch öffentlich gefeiert werden, und zwar am kommenden Sonntag in Jerusalem. In der israelischen Armee gibt es spezielle Einheiten für die Ultraorthodoxen. Sie müssen dort nicht mit Personen des anderen Geschlechts zusammenarbeiten, bekommen koscheres Essen und Zeit für religiöse Studien.

Ein Ausschuss der Regierung hatte in dieser Woche nach monatelangen kontroversen Diskussionen die Eckpunkte der geplanten Militärreform vorgestellt. Demnach soll der Wehrdienst für Männer von 36 auf 32 Monate verkürzt, für Frauen von 24 auf 28 Monate verlängert werden. Nach einer dreijährigen Übergangszeit sollen dann auch die Ultraorthodoxen eingezogen werden. Für 2016 geht man davon aus, das von 8000 jungen Ultraorthodoxen rund 5200 zum Militär- oder Zivildienst herangezogen werden. 1800 Bibelschüler erhalten eine Ausnahmegenehmigung, etwa 1000 werden voraussichtlich als untauglich eingestuft. Der Vorschlag muss nun im Parlament diskutiert werden.

Bislang hatten die Ultraorthodoxen das Privileg, nicht in der Armee dienen zu müssen. Viele Männer, erkennbar an ihrer schwarzen Kleidung, Vollbärten und Schläfenlocken, verfolgen das Ideal eines möglichst lebenslangen Vollzeitstudiums der Heiligen Schriften. Frühere Regierungen stimmten dem zu und bewilligten entsprechende Gelder, da sie die orthodoxen Parteien für ihre Mehrheit im Parlament benötigten. In der aktuellen Regierung sind die Interessenvertreter der Ultraorthodoxen aber nicht mehr vertreten.

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Jüdische Missionsgegner bedrängen messianische Gemeinde

Freitag, 24. Mai 2013 |  NAI-Redaktion

Die ultraorthodoxe Anti-Missions-Organisation Yad L’Achim („Hand für Brüder“) ist eine Art Stachel im Fleisch der messianischen (Jesusgläubigen) Gemeinden in Israel. Manchmal ist sie auch mehr als ein Stachel – Jack Teitel, der jüdische Terrorist, der versuchte, den messianischen Jugendlichen Ami Ortiz umzubringen, soll enge Verbindungen zu der Organisation gehabt haben. Nun nimmt Yad L’Achim eine aufblühende messianische Gemeinde in der Küstenstadt Bat Yam ins Visier. Die Lokalausgabe der Zeitung Yediot Ahronot berichtete, Yad L’Achim habe viele Beschwerden von Bewohnern bekommen, die sich über den Erhalt von „missionarischem Material“ beschwert hätten.

Dem Bericht zufolge haben Gläubige aus der Region Hausbesuche gemacht und von ihrem Glauben an Jesus als Erretter berichtet. Yad L’Achim-Aktivisten stören sich an der neugegründeten Gemeinde, der sie geheime kultische Praktiken unterstellte. Ein Rabbiner erklärte, die Treffen fänden verborgen in Privatwohnungen statt. Oded Raban, ein messianischer Jude aus dieser Gegend, wies das als Unsinn zurück. Es gebe keine Geheimtreffen und keine unangemessenen kultische Riten. Mittlerweile gebe es in Israel Tausende messianische Juden. Sie seien loyale Staatsbürger, dienten in der Armee, aber ihre Weltsicht unterscheide sich von der anderer Juden. Oded Raban: „Wir glauben an Gott wie unsere jüdischen Geschwister. Wir sehen Gott als das Zentrum des Universums.“

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Verstecker Boykottaufruf der deutschen „Grünen“ empört Israelis

Freitag, 24. Mai 2013 |  NAI-Redaktion
Die israelische Botschaft hat die deutsche Partei „Bündnis 90 / Die Grünen“ für ihre aktuellen Bestrebungen im Bundestag kritisiert: Die Grünen wollen erreichen, dass Produkte von jüdischen Siedlern im biblischen Kernland Judäa und Samaria nicht mehr als „Made in Israel“ gekennzeichnet werden dürfen. Dies führe zu einem Boykott dieser Produkte, befürchtet man in Israel. Hier sieht man in den Bestrebungen den Versuch, Israel negativ auszusondern. Der Friedensprozess komme dadurch keinen Schritt voran. Die Grünen hatten argumentiert, die Kennzeichnung diene einer „informierten Kaufentscheidung“ und sei keineswegs ein Boykottaufruf.

Laut Auswärtigem Amt sieht der offizielle Standpunkt Deutschlands so aus: „Die Marke ‚Made in Israel‘ ist gemäß der Meinung der Bundesregierung in Deutschland einzig für Produkte zulässig, die innerhalb der Grenzen des Israelischen Staatsgebietes vor 1967 produziert wurden“. Weiterhin erklärte das Auswärtige Amt: „Die EU arbeitet nach gemeinsamen Richtlinien für ein korrektes Bezeichnen des Produkt-Ursprungs im Rahmen des EU-Verbraucherschutzgesetzes. Wir führen keine Diskussion über Boykotte.“

In Israel hält man diese Argumentation für scheinheilig. Beispielsweise ist Professor Gerald M. Steinberg, Leiter der Nicht-Regierungs-Organisation „Monitor“ der Meinung, „dass das aktuelle Verhalten Deutschlands gegenüber Israel in scharfem Kontrast zu der Ruhe angesichts des Bürgerkriegs in Syrien steht. Statt eines konstruktiven Ansatzes in Richtung Friedenskonsolidierung nutzen die Grünen und ihre Verbündeten in der Regierung die destruktive und voreingenommene Politik, die den Konflikt nur noch weiter verstärkt“. Weiterhin sei es eine Farce, die Produkte aus dem sogenannten Westjordanland unter dem Deckmantel des Verbraucherschutzes zu kennzeichnen. Solche Etiketten bewirkten nichts, um die Gesundheit und das Wohlergehen der europäischen Verbraucher zu schützen. Stattdessen zielten sie lediglich darauf ab, die israelische Wirtschaft zu schwächen und die Israelis für die Situation in den besetzten Gebieten zu bestrafen. Der einzige Weg, um näher an die Zwei-Staaten-Lösung heranzukommen, sei, dass sich die Palästinenser ohne Vorbedingungen zurück an den Verhandlungstisch bewegen. Deutsche Politiker sollten den zynischen Gebrauch der Begriffe „Frieden“ und „Menschenrechte“ stoppen, unterstrich Deidre Berger, Chefin des Berliner Büros des amerikanisch-jüdischen Komitees. Siedlungsprodukte unter dem Vorwand des Verbraucherschutzes zu kennzeichnen sei ihrer Ansicht nach Heuchelei.

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Israel-Video des Tages: Ultraorthodoxe im Blickpunkt

Freitag, 24. Mai 2013 |  Tommy Mueller

In Israel gibt es heftige Debatten um den Einfluss der Ultraorthodoxen. Extreme Religiöse fordern unter anderem eine strikte Geschlechtertrennung in öffentlichen Verkehrsmitteln. Aber eine Mehrheit der acht Millionen Israelis möchte sich ihren Lebensstil nicht von 700.00 Ultraorthodoxen vorschreiben lassen. In Israel gehen rund 60 bis 70 Prozent der ultraorthodoxen jüdischen Männer keiner Arbeit nach, sondern verbringen ihre Zeit ausschließlich mit dem Studium religiöser Schriften. Sie möchten Gottes Anweisungen so genau wie nur möglich befolgen. Oft sind ihre Frauen berufstätig. In der Regel heiraten sie im Alter von 18 bis 20 Jahren und haben im Durchschnitt sieben Kinder. Etwa 60 Prozent der ultraorthodoxen Familien in Israel leben in Armut. Das Fernsehteam von israel heute war im Jerusalemer Stadtteil Mea Shearim unterwegs und hat dort mit Joelisch Kreutz gesorchen, einem geistlichen Führer der Haredim („Gottesfürchtigen“).

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