Basler Unispital bietet Geschlechtswahl des Babys an

Basler Unispital bietet Geschlechtswahl des Babys an

 

24.05.2013 10:17

Von: ref.ch News/sda

Am Universitätsspital Basel können Eltern mit schweren Erbkrankheiten künftig das Geschlecht ihres Babys auswählen. Es ist das einzige Spital in Kontinentaleuropa, das diese Methode anbietet. Das Unispital bestätigte einen entsprechenden Bericht der «Basler Zeitung» vom 23. Mai.

 

Die neue Sortierungs-Methode namens Microsort stammt aus den USA und trennt Spermien mit weiblichen von jenen mit männlichen Erbanlagen. Sie nutzt den Umstand, dass die weiblichen X-Chromosomen, aus denen nach Verschmelzen mit einer Eizelle ein Mädchen wird, etwas mehr Erbgut enthalten als die männlichen Y-Chromosomen.

Dank dieser Methode kann mit etwa 80-prozentiger Sicherheit gewährleistet werden, dass ein Kind des einen oder anderen Geschlechts zur Welt kommt. Damit soll die Übertragung von schweren Erbkrankheiten wie Mukoviszidose oder Muskeldystrophie auf das Kind verhindert werden. Viele solche Krankheiten betreffen nur ein Geschlecht, meistens die Jungen oder Männer.

Die so geborenen Mädchen sind zwar weiterhin Trägerinnen der krankmachenden Erbanlage, erkranken aber höchstwahrscheinlich selbst nicht. Microsort sei derzeit die einzige Methode, mit der die X-Y-Trennung zuverlässig gelingt, erklärte Christian De Geyter, Leiter der Reproduktionsmedizin am Unispital Basel, der Nachrichtenagentur sda. Das Schweizer Recht erlaubt die Spermienauswahl, aber nur bei schweren Erbkrankheiten eines oder beider Elternteile. Ein Mädchen oder einen Buben nur aufgrund des Elternwunsches auszuwählen, ist weiterhin verboten.

Frauen in der Schweiz mit diesen Erbkrankheiten haben derzeit nur zwei Möglichkeiten, ein gesundes Kind zu bekommen. Entweder sie werden quasi auf Probe schwanger und treiben ab, wenn das Kind die Erbanlage trägt. Denn erst während der Schwangerschaft ist die genetische Untersuchung des werdenden Kindes erlaubt.

Kosten: 2500 Franken
Er habe schon mehrfach Fälle von Frauen mit Erbkrankheiten erlebt, die mehrmals abgetrieben haben, bis sie ein gesundes Kind austrugen, sagte De Geyter. Die Krankenkasse bezahle die ganze Prozedur. Die 2500 Franken für den Microsort-Test muss die Frau selbst bezahlen.

Die Frauen könnten andererseits für eine Präimplantationsdiagnostik (PID) auf eigene Kosten ins Ausland reisen, erklärte De Geyter. Diese ist in der Schweiz verboten. Dabei werden mehrere im Reagenzglas gezeugte Embryonen untersucht und nur die gesunden der Frau eingesetzt. Die übrigen Embryonen werden aussortiert.

Die PID stösst in kirchlichen und gentechnikkritischen Kreisen, aber auch bei vielen Ethikern auf Ablehnung, weil dabei Embryonen aussortiert und zerstört werden. Gegner sprechen von Eugenik. Sie ist zudem teuer und für Frauen mit wenigen Eizellen nicht geeignet. Obwohl die vorgeburtliche Spermienauswahl in der Schweiz erlaubt ist, erwartet De Geyter, dass auch dieser Eingriff in die Natur und die Selektion eines «erwünschten» Babys auf Widerstand stossen wird.


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