Saudi-Arabien: Harte Strafen für Bekehrungshelfer

 

Saudi-Arabien: Harte Strafen für Bekehrungshelfer

In Saudi-Arabien sind ein Libanese und ein Saudi zu Auspeitschen und Haftstrafen verurteilt worden, weil sie eine Frau zur Bekehrung zum Christentum ermutigt und zur Flucht verholfen haben sollen. Der Vater der jungen Frau hatte die beiden angezeigt. Daniel Ottenberg, Analyst von „Open Doors“, erklärte gegenüber pro, warum die in Saudi-Araben gesetzgebende Scharia ein Vorgehen gegen solche Gerichtsurteile erschwert.

Der libanesische Christ wurde zu 300 Peitschenhieben und sechs Jahren Gefängnis, der saudische Staatsbürger zu 200 Peitschenhieben und zwei Jahren Gefängnis verurteilt. Beide Männer waren Arbeitskollegen der jungen Frau, berichtet der amerikanische Nachrichtensender FoxNews. Die Verurteilten wollen Berufung gegen das Urteil einlegen.

Bekannt wurde der Fall im vergangenen Jahr, als unter anderem saudische Medien über die Konversion und Flucht einer saudischen Frau namens Maryam berichteten. Angeblich war sie nach Schweden geflohen. Es folgten widersprüchliche Angaben der saudischen Medien über Alter, Wahrheitsgehalt der Bekehrungsgeschichte und Herkunft der jungen Frau. Ende vergangenen Jahres tauchte ein YouTube-Video auf, in dem sich eine verhüllte Saudi-Arabierin, höchstwahrscheinlich Maryam, zum Christentum bekennt und von ihrer Bekehrung berichtet. Angeblich hält sie sich immer noch in Schweden auf und wird dort von einer Hilfsorganisation geschützt.

Aus Sicht des Vaters ist das Urteil für den Libanesen, der als Haupt-Fluchthelfer gilt, zu mild. „Die Entscheidung ist nicht angebracht für das, was er uns angetan hat“, zitiert ihn die arabische Nachrichtenseite gulfnews.com. Er habe die Familie der Tochter beraubt und müsse Verantwortung für sein Handeln übernehmen. Der Vater kündigte an, vom Gericht zu fordern, den Mann inhaftiert zu lassen, bis seine Tochter nach Hause zurückkehre.

„Religionsfreiheit ist Menschenrecht“

In Saudi-Arabien ist der Islam Staatsreligion. Die US-Kommission für Internationale Religionsfreiheit habe den Golfstaat in ihrem aktuellen Bericht als „besonders Besorgnis erregendes Land“ eingestuft, weil Religionsfreiheit dort nicht geduldet werde, berichtete FoxNews. Die Republikanerin Anna Eshoo, zweite Vorsitzende des Gremiums für religiöse Minderheiten im Nahen Osten, fordert einen Einsatz für die Unterdrückten in Saudi-Arabien. Außerdem müsse eine Politik entwickelt werden, welche die Minderheiten schütze. Joe R. Pitts, ebenfalls Republikaner, betonte gegenüber der amerikanischen Nachrichtenseite die Religionsfreiheit als Menschenrecht. „Die Regierung Obamas sollte sich in diesem Fall äußern und die Saudis  auf Freilassung der beiden Männer drängen“, forderte er vom US-Präsidenten.

Nach Angaben des Sprechers des Büros für demokratische Menschenrechte, Aaron W. Jensen, werde der Fall genauer untersucht. Die freie Meinungsäußerung und Religionsfreiheit, die auch einen Religionswechsel erlaube, seien grundlegende Menschenrechte, die in der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte festgehalten seien. „Wir lehnen Gesetze, die eine friedliche Ausübung dieser Freiheiten verhindern, stark ab“, sagte er. Der saudi-arabische Botschafter in Washington, Nail Al-Jubeir, habe auf Anfragen von FoxNews nicht reagiert.

USA: Wirtschaftliches Interesse

Die Imame in Saudi-Arabien förderten in ihren Gottesdiensten durch Predigten die Zerstörung und Erniedrigung von Christen und Juden, erklärte Nina Shea, Direktorin des Hudson-Instituts für Religionsfreiheit in Washington. Die USA könnten Saudi-Arabien unter anderem durch wirtschaftliche Sanktionen zu einer Aufgabe der religiösen Intoleranz zwingen, glaubt sie. Wegen der Beziehungen im Öl-Geschäft habe das Land darauf jedoch verzichtet.

Das Thema Religionsfreiheit habe in den amerikanischen Beziehungen zu dem Golfstaat keine Priorität, beklagte Dwight Bashir, stellvertretender Direktor für Politik der US-Kommission für Internationale Religionsfreiheit. „Seit 2004 bezeichnen die USA Saudi-Arabien als ernsthafte Bedrohung für Religionsfreiheit. Die US-Regierung hat trotzdem auf jegliche Strafmaßnahmen verzichtet, die solch eine Bezichtigung nach sich ziehen muss“, sagte er.

Bestrafung nach eigenem Ermessen

Daniel Ottenberg, Analyst von „Open Doors“, bestätigte gegenüber pro, dass solche Fälle im Nahen Osten und Nordafrika öfter auftreten. Allerdings würden normalerweise die Konvertiten selbst verfolgt und bestraft. „Zunehmend machen sich dabei die Staaten selbst nicht mehr die Finger schmutzig. Häufig ist es so, dass schließlich der Familie oder dem Dorf erlaubt wird, nach eigenem Gutdünken zu verfahren“, erklärte er. Von Ermordung bis Diskriminierung könne das alles bedeuten.

Ottenberg betonte, dass bereits oft betont werde, dass ein Recht auf Glaubenswechsel zur international geschützen Religionsfreiheit gehöre und die Fälle an die Öffentlichkeit gelangten. Die Bestrafung für einen Abfall vom Islam, als welchen die Konversion gilt, gehöre jedoch zur Auslegung der Scharia. „Kritik daran wird sofort als Angriff auf die Religion gesehen“, sagte Ottenberg. Wenn es um eigene Staatsbürger gehe, versuchten oft die betreffenden Botschaften über „stille Diplomatie“ etwas auszurichten. „Das würde ich im Fall des Libanon allerdings nicht unbedingt erwarten“, erklärte Ottenberg. (pro)

 

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