Gnadau wohin? Gedanken eines alten Mannes über Kirche, Gemeinschaft und den Zeitgeist.

Gnadau wohin?

Gedanken eines alten Mannes über Kirche, Gemeinschaft und den Zeitgeist.

Atomausstieg, Klimawandel, Eurokrise und Rettungsschirm sind immer wiederkehrende Schlagzeilen in der Politik.

Das Hauptproblem der EKD, um das sich alles dreht, ist ein Gesetz, das das Zusammenleben von homosexuellen Pfarrern und Pfarrerinnen im Pfarrhaus gestattet. Im Grunde ist man sich einig, die Mehrheit der Synodalen ist dafür. Trotzdem ebben die Diskussionen nicht ab, es wird viel Staub aufgewirbelt. Als unbedarfter Beobachter hat man den Eindruck: Kirche ist eine Institution, die für die Rechte von Homosexuellen eintritt und kämpft.

War da nicht noch etwas anderes? Früher? Ging es da nicht auch um Bibel und Bekenntnis, um Glauben, Evangelium und Jesus Christus? Aber das war wohl eine andere Zeit und eine andere Kirche, die inzwischen abhanden gekommen ist.

Der Gnadauer Präses Michael Diener, Nachfolger von Christoph Morgner und als Allianzvorsitzender Nachfolger von Jürgen Werth, will „Neues wagen“. Wird die Bibel als Wort Gottes die Grundlage bleiben oder wird Gnadau zum „Treibholz des Zeitgeistes“ werden?

Eines lässt sich schon jetzt erkennen:
Er wird den kirchentreuen Weg seines Vorgängers Christoph Morgner fortsetzen mit allen Konsequenzen. Christoph Morgner träumte davon, dass die Kirche der Zukunft immer pietistischer würde. Dabei war schon damals (1997) deutlich die Abkehr der EKD von biblischem Gedankengut durch die Äußerungen zahlreicher Theologen erkenn-bar. Im Blick auf die Katholische Kirche behauptete Morgner, Rom sei evangelischer geworden und den Charismatikern bescheinigte er, dass sie pietistischer geworden seien. Er fragte, ob das, was uns eint, nicht größer sei als das, was uns trennt.

Tatsache ist: An der Bibelfrage scheiden sich die Geister. Aber die Bibel ist in weiten Teilen der heutigen „Christenheit“ kein Thema mehr.

Es war ein edler Wunsch der Gemeinschafts-bewegung, auf die EKD zum Guten einzuwirken. Die immer stärker werdenden antichristlichen Strömungen in der EKD vereiteln das. Es ist eine Illusion, Gnadau könne über Kirchenleitungen etwas erreichen. Die Abstimmungen in den kirchlichen Synoden sprechen eine deutliche Sprache. Da spielen alle möglichen kirchenpolitischen und zeitgeistgemäßen Themen eine Rolle, aber kaum noch die Bibel, das Wort Gottes. Der geistliche Abwärtstrend in der EKD beschleunigt sich lawinenartig. Es werden enorme geistliche Zerfallserscheinungen sichtbar. Trotzdem war es Christoph Morgners Anliegen, auf die Innerkirchlichkeit Gnadaus als Dogma zu pochen. „Wer den Raum eines Gemeinschaftshauses betritt, betritt den Boden der Landeskirche.“

Meine Frage: Muss man unter allen Umständen mit dieser Institution verbunden bleiben, egal welche Lebensäußerungen und Irrlehren sie vertritt? Sind wir als Gemeinschaftsbewegung auf Gedeih und Verderb der Kirche untergeordnet?

Christoph Morgner behauptet:
„Der Pietismus ist eine Bewegung, die die Kirche in ihrer Gesamtheit erfassen und prägen will. Die Kirche ist kein hoffnungsloser Fall, sondern hat eine großartige Zukunft vor sich, das beflügelt den Pietismus bis heute.“ Es ist in Anbetracht der jüngsten antibiblischen Entwicklungen in der EKD mehr als fraglich, ob er das wirklich ernst meint.

Der Pietismus hat in seiner Geschichte genug Spott und Hohn, Verachtung und Versuche der Unterdrückung durch diese Kirche erlebt.Sind wir als Gemeinschaftsbewegung das fünfte Rad am Wagen der vom gottlosen Zeitgeist erfassten EKD?

Inzwischen heißt der neue Gnadauer Präses Michael Diener. Wie geht es weiter im Gnadauer Verband? Michael Diener sagte, er sei in Kirche und Gemeinschaft verwurzelt. Um die Zukunft der Kirche ist ihm nicht bange. Diener weiß, dass seine neue Aufgabe nicht einfach wird, kommt es doch immer wieder zu Spannungen zwischen Kirche und Gemeinschaft und auch innerhalb der Gemeinschaften. Seine Aufgabe sieht er daher als doppelter Brückenbauer zwischen Kirche und Gemeinschaften. Er möchte auch die Menschen mitnehmen, die fundamentalistisch denken und eher am Rand der Gemeinschaften stehen. Die Vorraussetzungen bringt Michael Diener mit, hat er doch nicht zuletzt in der Landessynode gezeigt, dass ein pietistisch geprägter Christ in der Mitte seiner Kirche stehen kann.

In einem Interview sagte er:
„Wir verstehen uns als eine geistliche Reformbewegung in der Volkskirche….Wir sehen uns nicht in erster Linie als die großen Kirchenverbesserer!…Wir haben bestimmte Pfunde in die Kirche einzubringen und die wollen wir dort leben….Die Beziehungen auf kirchenleitender Ebene sind oft vertrauensvoll und gut. Wir wissen, dass wir einander brauchen. Schwierigkeiten gibt es eher an der Basis.
Entscheidend ist für mich: Gott hat diese Welt geschaffen. Über das Wie der Schöpfung kann man durchaus unterschiedlicher Meinung sein. Ich habe große Achtung vor denen, die von einer Schöpfung in sechs Tagen ausgehen, aber auch vor denen, die sagen: Ich glaube an einen Gott, der die Welt über einen längeren Zeitraum geschaffen hat, also evolutionär. Ich kann als Pietist an die Sieben-Tage-Schöpfung glauben, aber ich muss es nicht. (idea 40/ 2011)

Zum Thema Homosexualität:
„Es ist unbiblisch und nicht sachgemäß, sich auf die Frage der Homosexualität zu verengen.“ Der Präses fragte: „Widmen wir der Habsucht, der Lüge, der Unversöhnlichkeit, der Heuchelei und dem Hochmut ebenso viel Aufmerksamkeit wie der Homosexualität oder anderen sexuellen Verfehlungen?“ Diener stellte klar: „Aufgrund unseres Verständnisses des Willens Gottes können wir zu praktizierter Homosexualität kein Ja finden. Sie ist Sünde und steht unter dem Gericht Gottes.“ Deshalb könne der Gnadauer Verband der Segnung homosexueller Partnerschaften ebenso wenig zustimmen wie der Öffnung der Pfarrhäuser für solche Lebensgemeinschaften.

Diener hält es jedoch für unangemessen, wenn Mitglieder Landeskirchlicher Gemein-schaften aufgrund des Konfliktes die Kirche verlassen. „Wir treten als evangelische Christinnen und Christen auf, aber nicht aus.“ Man könne nur innerhalb der Kirche geistlich wirksam Einfluss nehmen.

Zum Islam meint Diener:
Zwar gebe es den „bedrohlichen und welterobernden Islam“, unter dem Christen zu leiden hätten – bis zum Tod. Daneben bestehe aber auch ein „gesprächsbereiter toleranter Islam“.
(14. Februar 2011, Marburg).

Michael Diener steht theologisch für ein historisch-kritisches Bibelverständnis. Für ihn ist klar, dass nur in die verfasste Kirche hinein getauft werden kann.

Gnadau – wohin?
Michael Diener will Neues wagen und den Pietismus auf neue Wege führen. Er fordert von den Pietisten mehr gesellschaftlichen Einsatz. Eins ist sicher: Er wird den Kurs der Anbiederung an die vom Glauben abgefallene liberale EKD weiter beschleunigen. Er kritisiert, dass gerade ältere Pietisten ein relativ „geschlossenes Gesellschaftsbild des christ-lichen Abendlandes“ verträten und plädiert für eine „offene Gesellschaft“, was auch immer er darunter versteht.

Sollen sich die Pietisten der modernen Gesellschaft mehr anpassen? Will der Präses den Pietismus in die sogenannte „offene Gesellschaft“ führen, in der alles gleich gültig ist?

„Als pietistische Gemeinschaftsbewegung, wie auch als Bürgerinnen und Bürger übernehmen wir auf dem neuen Weg Mitverantwortung für unser Gemeinwesen und beteiligen uns an seinen demokratischen Entwicklungen und Prozessen.“

Natürlich sind wir als Christen auch Staatsbürger und suchen „der Stadt Bestes“. Dazu benötigen wir aber keinen neuen Weg, sondern die Bindung an das Wort Gottes! Die christliche Gemeinde war und ist immer ein Fremdkörper in der Gesellschaft. Durch pluralistische Vermischung macht sie sich unglaubwürdig. Die christliche Gemeinde tut am meisten für die Welt, wenn sie ihr am wenigsten ähnelt. Michael Diener geht es darum, den Ruf der „Stillen im Lande“ zu ändern. Das entspricht nicht mehr der modernen Zeit. Nach Diener braucht der Pietismus heute ein neues Erscheinungsbild.

Aber was will eigentlich der Herr der Gemeinde? Wen kümmert das noch? Wird bei den vielen Plänen und Methoden noch danach gefragt, was Gott will? Der Präses fordert mehr gesellschaftlichen Einsatz der Gemeinschaftsbewegung. Es geht mehr um ein soziales, politisches Evangelium nach dem Vorbild der „Micha-Initiative“ der Allianz.
Die „Micha-Initiative“ ist eine weltweite Kampagne, die die Christen zum Engagement gegen weltweite Armut und für globale Gerechtigkeit begeistern möchte.

Das klingt gut, es sind jedoch nichts als wohlmeinende Absichtserklärungen. Der Bibel kann man nicht entnehmen, dass Christen die gefallene Welt verbessern und von Not befreien können. Aufgabe der Gemeinde ist der Ruf zur Umkehr und die Verkündigung des Evangeliums.

„Habt nicht lieb die Welt noch was in der Welt ist. So jemand die Welt lieb hat, in dem ist nicht die Liebe des Vaters. (1. Jo 2,15)

Wisset ihr nicht, dass der Welt Freundschaft Gottes Feindschaft ist? Wer der Welt Freund sein will, der wird Gottes Feind sein. (Jak 4,4)

Wir warten auf einen neuen Himmel und eine neue Erde nach seiner Verheißung, in denen Gerechtigkeit wohnt. (2. Petr. 3,13).
Wahre Nachfolger Jesu waren und sind nicht in Harmonie mit den Ungläubigen. Weder Jesus noch die Apostel haben sich der damaligen Gesellschaft angepasst. Ihr Ziel war nicht, die Gemeindeglieder in eine „offene Gesellschaft“ einzugliedern, sondern sie zu einem gesunden geistlichen Wachstum zu bringen.

Mir fällt auf, dass auf Gnadauer Veranstaltungen zunehmend auch Redner zu Wort kommen, die ein Gedankengut vertreten, vor dem unsere Väter noch sehr entschieden gewarnt haben. Dazu Michael Diener: „Wir sind überzeugt, dass „Neues wagen“ sich auch bei der Auswahl der Referenten zeigen muss. Es war unsere Absicht, dass uns bei den Plenumsveranstaltungen der „Wind der weiten Welt Gottes“ um die Nase weht. Wir wollten Referenten, von denen wir überzeugt sind, dass sie uns in den Themenfeldern des Kongresses wirklich informieren und motivieren können. Dabei nehmen wir in Kauf, dass es keine handverlesenen Referenten aus der Gemeinschaftsbewegung sind, und dass sie in einzelnen Fragen auch von unserem Standpunkt abweichende Meinungen vertreten.“

Na also! Nichts ist unmöglich. Die EKD ist das Vorbild. Es geht nicht so sehr um biblische Lehre, sondern um eine große Weite und den Wind der weiten Welt. Und so gibt es in der Gemeinschaftsbewegung schon längst eine „Weite“ auch für Bibelkritik und eine gemäßigte Evolutionstheorie. Die Abgrenzung gegenüber Irrlehren ist verloren gegangen. Der Zeitgeist prägt die Gemeinden. Esoterische, mystische und schwärmerische Elemente dringen in die Gemeinden ein. Das erträgt man meist eher als das unverdünnte und unverfälschte Gotteswort. Es muss zu einer Scheidung der Geister kommen.
Die dem Wort Gottes treu bleiben, werden heute zunehmend isoliert. Sie werden als Außenseiter und Fanatiker ausgegrenzt. Nur gut, dass Michael Diener zugesagt hat, auch die fundamentalistischen Menschen, die mehr am Rand stehen, mitzunehmen. Wer weiß, wie lange noch?

Wohin wird sich Gnadau bewegen? Im Sog der EKD auf den Abgrund zu? Oder hin zum Wort Gottes, der Bibel? Nur wenn die Bibel wieder den ihr zustehenden Stellenwert bekommt, besteht Hoffnung für die Zukunft der Gemeinschaftsbewegung. „Kehrt um und glaubt an das Evangelium!“ Gott segnet, die sein Wort lieben und ihm gehorchen. Der Glaube kommt aus der Predigt, die Predigt aus dem Wort Gottes und nicht aus den abenteuerlichen Versuchen, Homosexualität durch Verdrehung der Schrift zu rechtfertigen.
Unsere Aufgabe ist, Jesus zu verkündigen als den einzigen Weg zum Heil. Das Wort Gottes ist die oberste Instanz, verbindlicher Maßstab für Glauben und Leben. Kehren wir um zur Linie der Väter, der Linie der Schrift. „So sucht man nicht mehr an den Haushaltern, als dass sie treu erfunden werden.“ (1. Kor 4,2).

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