Geistlicher Missbrauch

 

 Geistlicher  Missbrauch

Wenn Leiter ihre Machtstellung ausnutzen

Wenn Leiter ihre Machtstellung ausnutzen
Der Psychologe Professor Ulrich Giesekus. Foto: PR

Bad Liebenzell (idea) – Eine wenig beachtete Gewaltanwendung, die in christlichen Kreisen häufiger als vermutet vorkomme, ist für die evangelikale Liebenzeller Mission religiöser Missbrauch. Hierbei werde – wie bei sexuellem Missbrauch – durch Ausnutzen einer Machtstellung einem anderen Menschen ein großer seelischer und oft auch körperlicher Schaden zugefügt, heißt es in einem Beitrag der Zeitschrift „Mission weltweit“. Verfasser sind der Psychologe Prof. Ulrich Giesekus (Freudenstadt) und der Jugendreferent Markus Müller (Schwaigern bei Heilbronn). Als Beispiele nennen sie: Der Leiter eines christlichen Werkes fühlt sich als der unmittelbar von Gott berufene Vorstand und weist jegliche Kritik öffentlich als vom Satan inspiriert ab; ein Seelsorger nötigt eine kontaktarme Frau zum Geschlechtsverkehr, damit sie angeblich Liebe erfahre; ein Pastor bezeichnet den Glauben eines Menschen nur dann als echt, wenn man sich zugunsten der Gemeinschaft von sämtlichem Vermögen trennt; ein Prediger führt die unterbliebene Heilung einer schweren körperlichen Krankheit darauf zurück, dass man Gott nicht bedingungslos vertraut habe. Bei denen, die so etwas behaupten, handele es sich häufig um Vertrauens- oder Vaterpersonen, die das Gottesbild ihrer Gemeinde prägen. Ihr Machtmissbrauch werde erleichtert, wenn es in Gemeinden „ungesunde Strukturen und blinde Flecken“ gebe. Kennzeichen könnten ein falsches Autoritätsverständnis, ein Elitebewusstsein der Gemeinde und eine manipulative Sprache sein. Erleichtert werde der Machtmissbrauch, wenn Gemeindemitglieder ängstlich wegsehen oder der Meinung seien, „dass es bei uns nicht gibt, was es nicht geben darf“. Zu den unsichtbaren Wunden gehörten häufig ein zerstörtes Selbstwertgefühl, der Verlust der Vertrauensfähigkeit und Schlafstörungen. Laut Giesekus und Müller sollten verantwortungsbewusste Christen die Aussagen eines mutmaßlichen Gewaltopfers ernst nehmen und den möglichen Täter zur Rede stellen. Der Schutz des Opfers sei wichtiger als das Ansehen eines Werkes oder einer Gemeinde. Als hilfreich empfehlen die Autoren Richtlinien zum Schutz von Kindern und Jugendlichen, wie sie beispielsweise von der Liebenzeller Mission erstellt wurden.

 

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