Mythos Gülen? Der Prophet aus der Ferne

 

Mythos Gülen? Der Prophet aus der Ferne

Die Gülen-Bewegung ist einflussreich, aber vielen Menschen unbekannt. Ein Anhänger meint, dass ihr Anführer Fethullah Gülen genauso bedeutend sei wie Mahatma Gandhi oder Nelson Mandela. Der WDR-Beitrag „Der lange Arm des Imam“ stellt nicht nur den Menschen Gülen vor, sondern auch die Ziele seiner Bewegung. Das geplante Interview mit ihm findet aber nicht statt.

Die Journalisten Yüksel Ugurlu und Cornelia Uebel haben in ihrem Beitrag Gülens Entwicklung zum gefeierten Medienstar herausgearbeitet. Dabei wird deutlich, wie groß sein Einfluss in Deutschland mittlerweile ist und wie es ihm gelingt, junge muslimische Eliten zu erreichen. Befürworter der Bewegung sehen in Gülen einen Brückenbauer und Reformer. Gegner und die anonymen Aussteiger, die in der Dokumentation zu Wort kommen, zweifeln den Kult um ihn an. Sie berichten von einer finsteren Sekte, die ihre Anhänger unter Druck setzt und keinen Widerspruch duldet. „Mein Körper, meine Gedanken – alles hat denen gehört. Ich habe gemacht, was sie wollten“, bekennt eine junge Frau.

Zu Wort kommt auch die CDU-Politikern Rita Süssmuth. Aus ihrer Sicht trete die Bewegung für Demokratie, Rechtsstaatlichkeit, Bildung und die strikte Ablehnung jeglicher Gewalt ein. Die ehemalige Bundestagspräsidentin ist Beiratsmitglied in einem Berliner Verein Gülens. Natürlich fänden in den Einrichtungen auch Koran-Unterweisungen statt, aber dies sei legitim.

Zweit-einflussreichster Türke

Der Islamwissenschaftler Bekim Agai weist darauf hin, dass es den Anhängern darum geht, sich dort zu engagieren, wo sie leben. Gülen habe seine Anhänger darauf hingewiesen, keine Moscheen, sondern Schulen zu bauen. In mehr als 140 Ländern soll die Bewegung inzwischen Schulen haben, zwei Dutzend davon in Deutschland. Der Beitrag zeigt auch den geplanten Neubau einer Schule in Köln für circa 18 Millionen Euro.

Die Studenten würden dagegen in so genannten Lichthäusern indoktriniert und fremd bestimmt. Der Ton sei strenger als in Militärbaracken und die Hierarchie extrem strikt. „Ihr wichtigstes Ziel ist es, schrittweise sämtliche Bereiche des öffentlichen Lebens zu erobern und transformieren – unter Einsatz jeglicher Mittel“, heißt es in dem Beitrag, der konstatiert, das Gülen ganz klar nach vorne und am Aufstieg orientiert sei. Auch seine Bücher, in denen er die (jungen) Menschen zum Dienen auffordert, sind Bestseller.

Der 1938 geborene Gülen geriet 1999 ins Visier der Staatsanwaltschaft. In einer seiner Reden, die öffentlich wurde, hatte er zur Unterwanderung des türkischen Staates aufgerufen. Er selbst begründete seine anschließende Emigration in die USA mit gesundheitlichen Motiven. Obwohl er seitdem nie mehr in der Türkei war und ihn mehrere Gerichte freigesprochen haben, ist sein Einfluss größer denn je. In der Türkei gilt er als zweit-einflussreichster Türke, noch vor dem türkischen Staatspräsidenten.

Zur Machtausübung trägt wohl auch sein Medienimperium bei. Dazu gehören neben 16 Fernsehsendern, auch die auflagenstärkste Tageszeitung, mehrere Radiostationen und eine Nachrichtenagentur. Aus Sicht des Islamwissenschaftlers Ralph Ghadban versucht Gülen die Moderne zu islamisieren. Die Art und Weise, wie dies geschehe, sei für Außenstehende schwer durchschaubar.

Der Beitrag beleuchtet auch den Fall des türkischen Journalisten Ahmet Sik beleuchtet. Sein Buch „Armee des Imams“ über die Macht der Gülen-Gemeinde. Kurz vor der Veröffentlichung wurde Sik verhaftet, sein Verlag gestürmt und die Manuskripte beschlagnahmt. Sik hält die Organisation keineswegs für eine „unschuldige Bewegung“. Ganz im Gegenteil missbrauche sie Religion für politische Zwecke: „Je mehr Macht sie haben, desto aggressiver werden sie.“

Religiöse Parallelwelt

Der Wunsch, Fethullah Gülen selbst Fragen zu stellen, bleibt den beiden WDR-Journalisten verwehr – und die Tür zu dem Prediger verschlossen. Ihr Fazit stützen sie lediglich auf die schriftlichen Informationsquellen. Dabei bleibe aber nicht nur der Menschenfreund und Propagandist eines offenen Islam zurück, sondern eine „religiöse Parallelwelt und ein schwer durchschaubares Netzwerk, das weltweit Einfluss nimmt“. (pro)

 

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