Nirgendwo wird so viel hingerichtet wie in China

Nirgendwo wird so viel hingerichtet wie in China

Unrühmlicher Spitzenplatz für die Volksrepublik: Im vergangenen Jahr wurden dort laut Amnesty-Bericht mehr Menschen hingerichtet als in allen Ländern der Welt zusammen.

In China wurden 2012 wieder mehrere Tausend Menschen hingerichtet – allen internationalen Appellen zum Trotz. Das geht aus dem jüngsten Todesstrafe-Bericht von Amnesty International hervor, der heute veröffentlicht wird. Damit brachten Henker in der Volksrepublik mehr Menschen um, als im gesamten Rest der Welt zusammen.

Genaue Zahlen über Exekutionen in China existieren nicht, das Land macht daraus nach wie vor ein großes Geheimnis. Nur in Ausnahmefällen – wie bei der Exekution von vier Ausländern Ende Februar, über die das Staatsfernsehen berichtete – wird darüber nicht geschwiegen. Amnesty spricht dennoch von mehreren Tausend Hinrichtungen und beruft sich auf Beobachter und Experten, andere Menschenrechtler gehen von 4.000 bis 8.000 aus.

Weltweit zählte Amnesty International 682 Hinrichtungen – zwei mehr als im Jahr zuvor. Auch sonst gibt es in der neuen Statistik auf den ersten Blick kaum Veränderungen. Auf Platz zwei der Liste liegt wieder der Iran, wo mindestens 314 Menschen gehenkt wurden. Es folgen der Irak (129), Saudi-Arabien (79), die USA (43) und der Jemen (28). In Europa vollstreckt als letztes Land nur noch Weißrussland (3) die Todesstrafe.

Weltweit 1.700 neue Todesurteile

Mehr als zwei Drittel der insgesamt 193 Mitgliedsländer der Vereinten Nationen haben die Todesstrafe per Gesetz abgeschafft oder verzichten darauf. Im vergangenen Jahr ließen noch insgesamt 21 Staaten hinrichten – genau so viele wie 2011. Allerdings kehrten mehrere Länder wie Japan, Indien, Gambia oder Kuwait nach zum Teil jahrzehntelanger Pause zu Exekutionen zurück. Zudem gab es weltweit mehr als 1.700 neue Todesurteile.

Der einmal pro Jahr erscheinende Amnesty-Bericht gilt als weltweit zuverlässigste Quelle zur Todesstrafe. Die Zahlen basieren auf offiziellen Angaben und Schätzungen von Experten. Trotz der weiterhin hohen Zahlen an Vollstreckungen glaubt Amnesty an einen allgemeinen Trend weg von der Todesstrafe. „Der Rückschritt, den wir in einigen Ländern feststellen mussten, ist enttäuschend. Aber das kehrt den allgemeinen Trend nicht um“, sagte Amnesty-Generalsekretär Salil Shetty. „In den meisten Teilen der Welt gehören Hinrichtungen der Vergangenheit an.“

Als positive Entwicklungen verbuchte die Menschenrechtsorganisation die Aussetzung von Hinrichtungen in Singapur. Auch in Vietnam sei die Todesstrafe 2012 nicht vollstreckt worden. Darüber hinaus plane Ghana die Abschaffung der Todesstrafe. Im vergangenen Jahr hatte zudem der US-Bundesstaat Connecticut die Todesstrafe abgeschafft, in diesem Jahr zog Maryland nach.

Quelle ZEIT ONLINE, dpa, AFP, sdo

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