Historiker Wolfram Drews: Kein Ende religiöser Verfolgung in Sicht

Historiker Wolfram Drews: Kein Ende religiöser Verfolgung in Sicht

Die Verfolgung von Menschen aus religiösen Gründen hat aus Sicht von Historikern im Laufe der Geschichte nicht abgenommen. Die Moderne habe die Verfolgung von Menschen um ihrer Religion willen und die Zerstörung von sakralen Stätten nicht überwunden, erklärte der Historiker Wolfram Drews vom Exzellenzcluster „Religion und Politik“ der Universität Münster.

Heute seien Christen die am meisten verfolgte Religionsgemeinschaft der Welt. Zahlreiche historische Fälle zeigten zudem, dass sich fast jede Religionsgemeinschaft an der Verfolgung „um Gottes willen“ beteiligt haben, fügte Drews hinzu. Angehörige ein und derselben Religion konnten dem Experten zufolge einmal Verfolger und ein anderes Mal Verfolgte sein. Vorurteile über einen stets gewaltbereiten Islam oder den immer friedlichen Buddhismus ließen sich aus historischer Sicht nicht halten, unterstrich Drews.

Heute seien die meisten Opfer der islamistischen Gewaltakte im Nahen Osten, die mit dem Willen Gottes begründet werden, weder Christen noch westliche Soldaten, sondern andere Angehörige des Islam, hieß es weiter. Die Gründe für religiöse Verfolgung sind nach Angaben des Wissenschaftlers je nach historischer Situation unterschiedlich. „In manchen Fällen wurde die Benachteiligung mit religiösen Argumenten gerechtfertigt – als sei sie von Gott angeordnet“.

Für jeden historischen Einzelfall müsse geprüft werden, ob die Religion nur Vorwand oder Grund der Verfolgung gewesen sei. „Die Verfolgung Andersgläubiger war selten rein religiös motiviert“, so der Historiker.

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