Peres: „1.000 Gründe für türkisch-israelische Freundschaft“

 

Peres: „1.000 Gründe für türkisch-israelische Freundschaft“

Israels Staatspräsident Schimon Peres hat die jahrhundertealte Freundschaft zwischen Türken und Juden gewürdigt. Im Gespräch mit der türkischen Zeitung „Hürriyet“ begrüßte er die Entschuldigung bei der Türkei durch Premierminister Benjamin Netanjahu.

Die Türkei war der erste Staat aus der muslimischen Welt, der Israel anerkannte“, sagte Peres in dem Interview. „Seit dem 15. Jahrhundert war die Türkei ein Zufluchtsort für das jüdische Volk. Mir fallen etwa 1.000 Gründe ein, warum die Türkei und Israel Freunde sein sollten. Es gibt eine Verbundenheit in der Geschichte; es gibt eine Nähe in der Geographie.“

Auf die Frage, ob die Entschuldigung als Annäherung gewertet werden könne, antwortete der Präsident: „Es ist keine Frage der Annäherung. Es ist mehr als das, wir müssen einen besseren Weg für unsere Kinder bahnen.“ Im Nahen Osten seien Dinge wie Hunger, Terror und Blutvergießen beheimatet. „Die Türkei, wie Israel, muss wirklich versuchen, dass die Menschen des Nahen Ostens fair und frei in einer besseren Zukunft leben können.“

Der türkische Regierungschef Recep Tayyip Erdogan plant Medienberichten zufolge in den kommenden Monaten einen Besuch im Gazastreifen. Gefragt, ob dies für Israel ein Problem darstelle, entgegnete Peres: „Ich denke nicht, dass es ein Problem ist. Viele Führer haben Gaza besucht – der Emir von Katar zum Beispiel. Wir haben nichts dagegen.“ Die Hamas sei gegen Frieden und Verhandlungen, und auch gegen eine Anerkennung Israels. „Wenn jemand nicht mit Ihnen reden möchte, können Sie dann mit ihm reden? Wenn jemand sagt, er will keinen Frieden machen, wie können Sie dann Frieden machen? So ist es um die Hamas bestellt.“

Das Staatsoberhaupt äußerte die Überzeugung, die Türkei könne einen Beitrag zu Friedensgesprächen zwischen Israelis und Palästinensern leisten: „Die Türkei kann zum Frieden beitragen. Vor der Unterbrechung hat die Türkei ein Interesse daran gezeigt, Gaza aufzubauen. Wir haben ihr geholfen. Ich selbst habe den Vorsitzenden der türkischen Industriellen getroffen. Wir haben den Weg geebnet.“

Zur vieldiskutierten Gleichsetzung zwischen Zionismus und Faschismus durch Erdogan bemerkte Peres: „Seien wir ehrlich. Die Juden haben einen Holocaust durchgemacht. Sechs Millionen Juden wurden getötet, unter ihnen 1,5 Millionen Kinder. Wir haben keinen Krieg gesucht, sondern Freundschaft. Zionismus ist eine humanistische Bewegung.“ Deshalb verstehe er, dass jene Worte berichtigt worden seien.

Ein weiteres Thema waren die Raketenangriffe auf Israel aus dem Gazastreifen. „Wir haben zwei Milliarden Dollar für einen freien Gazastreifen aufgewendet“, sagte der Friedensnobelpreisträger. „Erklären Sie mir bitte, warum sie schießen. Was ist das Ziel? Ergibt es einen Sinn? Es gibt 70.000 Raketen. Wir haben Gaza vollständig verlassen. Wenn Gaza in Frieden leben möchte, ist es in seinen Händen, weil es den Beschuss einstellen sollte.“

Erdogan: Entschuldigung noch nicht genug

Unterdessen machte Erdogan deutlich, dass Netanjahus Entschuldigung für negative Folgen der Razzia auf der „Mavi Marmara“ nur der Anfang sei. Die Türkei erwarte praktische Auswirkungen, sagte er am Sonntag bei einer öffentlichen Versammlung in der Stadt Eskisehir. „Wir haben gesagt, dass eine Entschuldigung angeboten werden, Entschädigung gezahlt und das Embargo gegen Palästina aufgehoben werden muss“, zitiert „Hürriyet“ den türkischen Premierminister. „Eine Normalisierung wird nicht geschehen, solange diese Dinge nicht erfüllt sind.“ Das Telefongespräch mit seinem israelischen Amtskollegen vom Freitag sei ein Schritt in die richtige Richtung.

Der nationale Sicherheitsberater für Israel, Ja‘akov Amidror, äußerte dazu gegenüber dem israelischen Militärsender: „Wenn es ruhig ist, werden die Prozesse weitergehen, die das Leben der Bewohner in Gaza erleichtern. Und wenn es Katjuscha-Feuer gibt, dann werden diese Schritte verlangsamt und sogar gestoppt und, wenn notwendig, sogar rückgängig gemacht. Wir haben nicht die Absicht, unser Recht, auf die Geschehnisse in Gaza zu reagieren, wegen der Vereinbarung mit den Türken aufzugeben.“

Netanjahu habe die Entschuldigung als Geste an US-Präsident Barack Obama ausgesprochen, fügte Amidror hinzu. Ein weiterer Grund seien die regionalen Bedrohungen gewesen, vor allem die syrische Gefahr. „Wir haben 500 Jahre der Freundschaft zwischen dem jüdischen und dem türkischen Volk. Es besteht kein Grund, warum wir nicht wieder gute Freunde und Partner werden sollten im Bemühen, mehr Sicherheit und Stabilität im Nahen Osten zu erreichen.“

 

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