Je mehr Kinder, desto mehr Rente

Reformvorschlag

Je mehr Kinder, desto mehr Rente

Je mehr Kinder, desto mehr Rente

Eltern von einem oder zwei Kindern bekämen zusätzlich zur Basisrente eine geringere Kinderrente. Foto: idea/Schmitt

Gütersloh/Tübingen (idea) – Der gesetzlichen Rentenversicherung droht trotz zahlreicher Reformen die Unterfinanzierung. In einer Studie im Auftrag der Bertelsmann Stiftung (Gütersloh) haben Wissenschaftler der Ruhr-Universität Bochum Konzepte erarbeitet, wie ein weiteres Absinken des Rentenniveaus und steigende Beiträge für die Rentenversicherung vermieden werden können. Ein Vorschlag der Experten: Wer Kinder bekommt, erhält im Ruhestand mehr Geld.

Kinderrente soll Eltern bevorzugen

Bei der gesetzlichen Rente handelt es sich um ein Umlagesystem: Die derzeitigen Beitragzahler finanzieren die heutigen Rentner. Da aufgrund des Bevölkerungsrückgangs und der höheren Lebenserwartung immer weniger Arbeitnehmer immer mehr Ruheständler finanzieren, schlagen die Wissenschaftler zum Umbau des Umlagesystems die Einführung einer „Kinderrente“ vor. Zuerst soll der Beitragsatz des herkömmlichen Rentensystems eingefroren werden. Die Folge wäre ein deutliches Absinken der Basisrente. Durch die dann eingeführte Kinderrente sollen Eltern bessergestellt werden: Den vollen Zuschlag würden aber nur Mütter und Väter von drei und mehr Kindern erhalten. Sie kämen zusammen mit der Basisrente auf ein Rentenniveau von rund 48 Prozent des durchschnittlichen Jahresverdienstes, was nur wenig unter dem derzeitigen Niveau liegen würde. Eltern von einem oder zwei Kindern bekämen zusätzlich zur Basisrente eine geringere Kinderrente. Kinderlose und Familien mit weniger als drei Kindern müssten bei dieser Reform deutlich mehr als bisher ergänzend privat vorsorgen. Zu den möglichen Auswirkungen heißt es in der Studie weiter, es sei auch denkbar, dass sich die Reform positiv auf die Fruchtbarkeit auswirke. Das würde die längerfristige Entwicklung des Beitragsatzes noch stärker dämpfen. Die Zahl der Geburten ist in Deutschland nach Angaben des Statistischen Bundesamtes weiterhin rückläufig. Während 1997 812.173 Kinder geboren wurden, waren es im Jahr 2011 noch 662.685.

„Auf Selbstzerstörung programmiert“

Kostas Petropulos (Tübingen), Leiter des Heidelberger Büros für Familienfragen und soziale Sicherheit, hält den Ansatz der Wissenschaftler für richtig. Er sagte der Evangelischen Nachrichtenagentur idea auf Anfrage: „Unser derzeitiges Rentensystem ist auf Selbstzerstörung programmiert. Im Bezug auf Karriere, Einkommen und Rente profitieren die, die durchgängig erwerbstätig sind, und die sich die Investition in Kinder ersparen. Sie haben im Ruhestand die höchsten Ansprüche. Da ist es doch nur logisch, auf Kinder zu verzichten.“ Er kritisiert, dass die Bürger insgesamt viel zu wenig darüber wüssten, wie das Rentensystem funktioniere: „Die Erwerbstätigen erhalten für ihre Einzahlung lediglich Ansprüche – Ansprüche, die nur auf dem Papier stehen und völlig wertlos sind, wenn es keine ausreichend große und leistungsfähige Nachwuchsgeneration gibt.“ Ein nachhaltiges Rentensystem bestehe aus zwei Elementen: eingezahlten Beiträgen und der entsprechenden Zahl von Kindern. Petropulos: „Auch wenn der Vorschlag der Bochumer Wissenschaftler ein Fortschritt ist und zeigt, dass sie den bisherigen Systemfehler zur Kenntnis nehmen: Er kommt 50 Jahre zu spät.“

Ein Bündel von Maßnahmen

Die Bertelsmann-Studie umfasst neben dem Vorschlag der Kinderrente noch weitere Konzepte. Die Wissenschaftler schlagen eine Einbeziehung von Beamten und Selbstständigen in die gesetzliche Rentenversicherung ebenso vor wie eine steigende Berufstätigkeit von Frauen und älteren Menschen, eine Verbesserung der Bildungsstruktur oder eine nochmalige Verlängerung der Lebensarbeitszeit. Das gesamte Maßnahmenbündel würde deutlich höhere Wirkung entfalten als einzelne Maßnahmen.

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