Wie lange gibt es noch Christen in Syrien?

 

Bürgerkrieg

Wie lange gibt es noch Christen in Syrien?

Hilfswerke: Massenexodus könnte 2.000-jährige Geschichte beenden. Grafik: idea

Damaskus (idea) – In Syrien könnte die fast 2.000-jährige Geschichte der Christenheit bald zu Ende gehen. Aufgrund des seit fast zwei Jahren anhaltenden Bürgerkriegs in dem Land, in dem der Christenverfolger Saulus seine Bekehrung zum Völkerapostel Paulus erlebte, hat ein Massenexodus der rund 2,3 Millionen Christen eingesetzt. Weitgehend unbeachtet von der Weltöffentlichkeit werden sie von radikal-islamischen Aufständischen, aber auch von Kriminellen ermordet, entführt und vertrieben. Darauf machen internationale christliche Organisationen sowie einheimische Kirchenführer aufmerksam.

Muslime halten Christen für Assad-Unterstützer

Wie das Hilfswerk Barnabas Fund (Pewsey/Südwestengland) berichtet, war Syrien vor dem Arabischen Frühling für Christen eines der sichersten Länder im Nahen Osten. Sie hätten ihren Glauben ohne große staatliche Einschränkungen praktizieren können. Weil ihnen das sozialistische Regime von Diktator Baschar Al-Assad so viel Spielraum gewährt habe, betrachteten islamistische Rebellen sie jetzt als Unterstützer des Regimes. In der Stadt Homs sei die Zahl der Christen im vorigen Jahr von 60.000 auf weniger als 1.000 geschrumpft. Jetzt befänden sich noch etwa 80 im christlichen Viertel, das von rund 2.000 Rebellen belagert werde. Teilweise müssten Christen als „menschliche Schutzschilde“ gegen die Regierungstruppen herhalten. Ferner seien mehr als 30 Christen von Kriminellen misshandelt und als Geiseln genommen worden. Zahlreiche Kirchen seien zerstört worden. Selbst die Flucht in die Türkei werde ihnen von der Freien Syrischen Armee verweigert mit der Begründung: „Ihr gehört zu Assad. Dann könnt ihr auch hier bleiben und mit ihm getötet werden.“ Westliche Medien und Politiker ignorierten vielfach das Schicksal der syrischen Christen. So verurteilten US-Präsident Barack Obama und der britische Premierminister David Cameron zwar die Gräueltaten der Regierungstruppen, nicht aber die der Aufständischen.

Anschläge auf Kirchen

Seit Beginn des syrischen Bürgerkriegs im März 2011 sind mindestens 60.000 Menschen getötet worden; mehr als 700.000 sind ins Ausland geflüchtet. In der Stadt Ras al-Ayn an der Grenze zur Türkei, deren 24.000 Einwohner sich aus Arabern, Kurden, Armeniern und Türken zusammensetzen, gibt es so gut wie keine Christen mehr. Radikal islamische Rebellen haben sie vertrieben und ihre Kirchen verwüstet. Nach Angaben des syrisch-orthodoxen Erzbischofs Matta Roham prangen überall auf den Mauern der Häuser Todesdrohungen gegen Christen. Kirchen seien geplündert und verwüstet worden. Anfang Februar hatte ein 75-Jähriger eine versteckte Bombe in der Hauptkirche gefunden, die entschärft werden konnte. Roham: „Die Rebellen wollten die Kirche samt Pfarrhaus und christlicher Schule in die Luft sprengen.“ Der höchste katholische Würdenträger im Nahen Osten, Patriarch Gregorios III. von der melkitischen griechisch-katholischen Kirche, beklagt, dass etwa 20 Kirchen zerstört wurden oder aufgegeben werden mussten. Etwa 100 „Söhne“ seiner Kirche seien umgebracht, andere entführt worden. Man habe hohe Summen für ihre Freilassung zahlen müssen.

Bischof: Assad sollte zurücktreten

Der syrisch-orthodoxe Bischof von Aleppo, Mar Gregorios Yohanna Ibrahim, berichtete am 7. Februar in Bielefeld von einer Massenflucht seiner Kirchenmitglieder. Etwa ein Drittel der 150.000 Personen habe Syrien verlassen. Sie hielten sich unter anderem in Jordanien, der Türkei, aber auch in Deutschland auf. Die Kirche versuche, die Verbliebenen von der Flucht abzuhalten. Das sei angesichts der katastrophalen Lage nicht leicht: Es gebe keine Lebensmittel, keinen Strom, kein Benzin. Schulen, Krankenhäuser und ein Altenheim der Kirche seien von Bomben beschädigt oder zerstört. Bei einem Besuch des Nahost-Dezernenten der Evangelischen Kirche von Westfalen, Kirchenrat Gerhard Duncker, forderte der Bischof den Rücktritt des syrischen Präsidenten Assad. Ein militärisches Eingreifen in Syrien lehnte er ab, denn das würde den Konflikt nicht lösen, sondern das Elend der Zivilbevölkerung noch verstärken. Von den 21 Millionen Einwohnern Syriens waren vor dem Bürgerkrieg 90 Prozent Muslime und 6,3 Prozent Christen, davon jeweils drei Prozent Katholiken und Orthodoxe plus kleine Gruppen von Protestanten. Die übrige Bevölkerung besteht aus Nichtreligiösen oder Anhängern anderer Religionen.

 

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