Muslimbrüder bedeuten Rückschritt

 

Die Genitalverstümmelung ist nach wie vor ein großes Problem in der islamischen Welt. Die Internationale Gesellschaft für Menschenrechte (IGFM) empfindet die Machtergreifung der Muslimbrüder in Ägypten im Kampf gegen diese Praktiken als Rückschritt. Die Tageszeitung Die Welt porträtiert eine Sozialarbeiterin, die sich um Aufklärung bemüht. Der 6. Februar wurde zum Tag gegen weibliche Genitalverstümmelung erklärt.

 

Die IGFM kritisiert, dass Ägyptens Präsident Mohammed Mursi die verbotenen Praktiken de facto wieder eingeführt hat, indem er den Familien die Entscheidung zur Genitalverstümmelung selbst überlasse. Laut Schätzungen der IGFM sind zwischen 91 und 97 Prozent aller Frauen und Mädchen ab 15 Jahren in Ägypten „beschnitten“. Oft werde auch das weibliche Geschlechtsteil bis auf eine winzige Restöffnung zugenäht und dann bei jedem Verkehr mit dem Ehemann aufgeschnitten. IGFM-Vorstandssprecher Martin Lessenthin kritisiert in diesem Zusammenhang den stillschweigenden Segen religiöser Autoritäten, der mit dazu beitrage, dass Millionen von Mädchen traumatisiert sind.

2008 war die „Beschneidung“ von Mädchen gesetzlich verboten worden. Weil Ägypten mit 80 Millionen Einwohnern das zweitgrößte afrikanische Land sei, komme ihm eine Schlüsselrolle zu. Die Tageszeitung Die Welt porträtiert die Sozialarbeiterin Rozan Kader, die für die Nichtregierungsorganisation „Wadi“ im Nordirak Aufklärungsarbeit leistet. Einige regionale Politiker sehen deren Engagement kritisch.

Nicht konform mit dem Koran

Kader verweist darauf, dass es im Koran keine Stelle gebe, die solche Maßnahmen fordert: „Erst jetzt wissen die Theologen, dass weibliche Beschneidung schädlich ist“, sagt sie. Die Befürworter stützen sich auf Worte des Propheten Mohammed. Er soll gesagt haben: „Schneidet nicht zu viel, weil es eine Quelle der Lust für die Frau ist und der Mann es lieber hat.“

Seit etwa einem Jahr ist die Organisation im irakischen Dorf Toutakhel aktiv. Dort hat sie die politisch aktive Unterstützung des Dorfvorstehers. Die Landbevölkerung, die bereits unter Saddam Hussein viel Gewalt erlitten hat, lebt nach wie vor in großer Armut. Neben der Aufklärung geht es Wadi darum, das Dorf mit dem Allernötigsten zu versorgen. 81 Prozent der Frauen in der Region hätten die schmerzhafte Prozedur erlitten. Bis vor wenigen Jahren galt dies noch als rein afrikanisches Problem, mittlerweile ist die Problematik auch in anderen Ländern angekommen.

Werbespots gegen die Ideen

Kader wirbt mit Filmen für ihr Vorhaben und sagt, dass es nicht immer einfach sei, sich in diese intimen Themen der Frauen einzumischen. Die Frauen müssten versprechen, dass sie keine Beschneidungen mehr vornehmen wollen. Schließlich unterzeichnet der Dorfvorsteher einen Vertrag, in dem er sich verpflichtet, dafür Sorge zu tragen. Damit polarisiere die Organisation. Die Zahl der Befürworter wächst, aber es gibt auch Werbespots im Fernsehen dagegen.

Die Nichtregierungsorganisation möchte mit ihren Faltblättern informieren, wie eine „glückliche Familie“ funktioniert – ohne Gewalt. Auch in die Schulen dürfe sie mittlerweile kommen, was ein großer Fortschritt ist. Einige der Frauen sind empört, dass sie nicht früher aufgeklärt wurden: „Wir dachten doch, es sei gut für unsere Töchter“, wird eine Frau in dem Welt-Beitrag von Hannah Wettig zitiert. Kader bilanziert nach solchen Aktionen: „Manche Dörfer sind noch nicht so weit, aber sie sind auf einem guten Weg.“ Aufgrund der Brisanz des Themas forderte die UN ein weltweites Verbot der Praxis.

 

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