Reformation – wie weiter? Wie Evangelische und Evangelikale die Reformation verraten

Reformation – wie weiter?
Wie Evangelische und Evangelikale die Reformation verraten

Es ist nicht zu fassen…
Entweder es ist nicht zu fassen oder die Sache hat System: Das Reformationsjubiläum im Jahr 2017 soll gemeinsam mit der Römisch-Katholischen Kirche gefeiert werden. Es soll mit einem Schuldbekenntnis verbunden sein und ein Markstein zur Einheit mit Rom werden. So offiziell angestrebt von der Evangelischen Kirche in Deutschland und ihrer (gänzlich ungeeigneten) „Reformations-Botschafterin“ Margot Kässmann.
Was noch unglaublicher ist: Auch führende Evangelikale wirken kräftig bei diesem Weg zurück nach Rom mit (denn Einheit mit der Römisch-Katholischen Kirche kann es nur durch die „Rückkehr der getrennten Brüder“ zu ihr geben, wie der verstorbene katholische Kardinal Leo Scheffczyk in seinem Werk „Ökumene – der steile Weg der Wahrheit“ herausgearbeitet hat und wie sämtliche katholischen Dogmen verkünden).

Lieber Bruder in Rom??
Dies wurde etwa deutlich in dem 2011 erschienenen Buch „Lieber Bruder in Rom“, in dem Benedikt XVI. von führenden Evangelischen und Evangelikalen über alle biblisch gebotenen Grenzen hinweg als „Bruder“ tituliert und in einer für biblisch gegründete Christen nicht nachvollziehbaren Art zur Zusammenarbeit etwa in der Evangelisation eingeladen wurde. Dabei wird geflissentlich übersehen, dass Evangelisation im katholischen Sinn etwas wesentlich anderes ist als im Sinne der Bibel, nämlich die Hineinführung in den Mutterschoß der Römisch-Katholischen Kirche mitsamt ihren vielen unbiblischen Dogmen über Papstamt, falsches Rechtfertigungsverständnis, Heiligen- und Marienverehrung, Reliquienkult usw. An dem Buch „Lieber Bruder in Rom“ haben bekannte Evangelikale mitgewirkt, wie etwa Ulrich Parzany (Pro Christ), Roland Werner (CVJM), Dominik Klenk (OJC), Christine Schirrmacher (Ev. Allianz), außerdem der Verfasser der gotteslästerlichen „Volxbibel“, Martin Dreyer, und der Dozent am Theologischen Seminar St. Chrischona, Werner Neuer.

Unglaublich: Chrischona-Dozent beim Schülertreffen des Papstes
Werner Neuer war es denn auch, der (neben dem EKD-Bischof Jürgen Johannesdotter) dem Papst das Buch „Lieber Bruder in Rom“ persönlich überreichte. Ebenso wurde Werner Neuer im Sommer 2012 persönlich zum „Schülerkreis“-Treffen des Papstes an dessen Sommersitz Castel Gandolfo eingeladen. Er verfasste danach einen völlig unkritischen, enthusastischen Bericht darüber, der in Idea-Spektrum (deutsche Ausgabe) Nr. 37/2012 sowie in der Zeitschrift „Diakrisis“ erschien. Der Idea-Bericht trägt die Überschrift „Eine ökumenische Sternstunde“. Werner Neuer schreibt darin unter anderem:

Viele Teilnehmer teilten meinen Eindruck, dass die Tagung mit dem Papst und seinem Schülerkreis eine ökumenische „Sternstunde“ war: Sowohl Wilckens als auch Dieter beeindruckten durch Vorträge, die „Kopf und Herz“ gleichermaßen ansprachen, weil sie hohe Sachkompetenz mit einer Leidenschaft für ein vom Heiligen Geist geschenktes Einswerden der getrennten Christen und Kirchen verbanden. Dieter zeigte an Beispielen das längst noch nicht ausgeschöpfte „ökumenische Potenzial“ Luthers auf und erläuterte die 1999 von der katholischen Kirche und dem Lutherischen Weltbund unterzeichnete „Gemeinsame Erklärung zur Rechtfertigungslehre“ als „bemerkenswertes Ereignis in der Kirchengeschichte“. Er mahnte, nach vielen konstruktiven Dialogen nun die Aufgabe anzupacken, die „Früchte zu ernten“ (Walter Kardinal Kasper) … Er betonte, dass „Ökumene und Evangelisierung“ Hand in Hand gehen müssen, und erinnerte für das Reformationsgedenkjahr 2017 an das schon vom (lutherischen) Augsburger Bekenntnis 1530 proklamierte Ziel, „dass wir alle unter einem Christus sind“ …
Der 85-jährige Benedikt XVI., dessen theologische Klarheit und geistige Frische auf der Tagung sein Alter vergessen ließen, ermahnte dazu, über die Kirchengrenzen hinweg einander als Christen zu erkennen, das Christsein zu leben und einen Dialog zu führen, der dem ewigen Heil und der Wahrheit Christi verpflichtet ist. Es war ein bewegender Moment, als der Papst am Ende der von ihm geleiteten Diskussion die beiden evangelischen Theologen brüderlich am Arm fasste und Bischof Wilckens darum bat, mit einem Gebet die Versammlung zu beschließen …
In diesem Geist des geschwisterlichen Miteinanders endete die Tagung am Sonntag mit einem gemeinsamen Gottesdienst, an dem die evangelischen Theologen durch Schriftlesung und Fürbitte mitwirkten. … Nach seinem Wunsch für das Reformationsgedenkjahr 2017 befragt, äußerte Benedikt XVI. zwei Wünsche: das gemeinsame Bekenntnis der Schuld und das Bekenntnis des gemeinsamen christlichen Glaubens. Möge Gott schenken, dass dieser doppelte Wunsch in Erfüllung geht! • (Zitat Ende)

Wo bleibt der Aufschrei?
So weit der Bericht von Werner Neuer. Vor noch 20 Jahren hätte es einen Aufschrei in einem Werk wie St. Chrischona gegeben, wenn ein Dozent so etwas getan und geschrieben hätte. Und heute? Schweigen auf dem Chrischona-Berg (soweit uns bekannt)! Wie ist das zu erklären?

Katholischer Bischof spricht bei Evangelischer Allianz
Die Ökumenisierung der Evangelikalen schreitet flächendeckend voran und wird seit den letzten Jahren von der Evangelischen Allianz immer massiver vorwärts getrieben. Ein Beleg dafür ist die – früher unvorstellbare – Tatsache, dass am 28. September 2012 (unseres Wissens zum ersten Mal in der Allianz-Geschichte) ein katholischer Bischof nicht nur in Grußwort, sondern ein ganzes Referat im Zentrum der Deutschen Evangelischen Allianz in Bad Blankenburg beim Allianztag halten konnte. Es handelt sich um den Erfurter Bischof Joachim Wanke. Früher ein Skandal, heute ganz normal? Eigentlich müsste die „Evangelische Allianz“ sich spätestens jetzt in „Ökumenische Allianz“ umbenennen!

„Bekenntnis-Ökumene“: Einheit ohne Wahrheit
Werner Neuer selber ist ein glühender Verfechter einer „Bekenntnis-Ökumene“ zwischen „konservativen“ Katholiken, Orthodoxen und Protestanten. Er war lange Zeit Assistent in Tübingen beim Vordenker der „Bekenntnis-Ökumene“, Peter Beyerhaus, der ebenfalls mehrfach bei den Schülertreffen des Papstes, sogar als Referent, eingeladen war. Die „Bekenntnis-Ökumene“ ist ein wesentlicher, aber nicht der einzige Motor, um die Einheit zwischen den Konfessionen voranzutreiben. Hinzu kommen auch Bemühungen auf liberaler Seite auf verschiedenen kirchlichen Ebenen.
Aus biblischer Sicht jedoch ist jede Einheit abzulehnen, die auf Kosten der in der Heiligen Schrift geoffenbarten Wahrheit geht. Jede Einheitsbestrebung ohne Grundlage der reformatorischen Hauptartikel „allein Jesus Christus, allein die Bibel, allein die Gnade, allein der Glaube“ mündet ins Antichristliche und bereitet der Hure Babylon (Offb. 17) den Weg. Jeder wahrhaft gläubige Christ sollte sich der falschen, endzeitlichen Ökumenisierung verweigern und mutig Jesus Christus als den einzigen Weg zu Gott dem Vater (Joh. 14,6) bekennen.

Quelle: DAS SIGNAL, herausgegeben vom Schweizerischen Bund Aktiver Protestanten, Nr. 182 (Dezember 2012)

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