Prostitution von Behinderten in Diakonieeinrichtung?

Vorwürfe

Prostitution von Behinderten in Diakonieeinrichtung?

Das Diakoniewerk Himmelsthür und die Staatsanwaltschaft gehen den Vorwürfen nach. Foto: PR

Hildesheim (idea) – Behinderte in der Diakonie Himmelsthür bei Hildesheim sollen durch Prostitution ihr Taschengeld aufgebessert haben. Die Staatsanwaltschaft Hildesheim und die Leitung der größten Behinderteneinrichtung Niedersachsens gehen anonym erhobenen Vorwürfen nach. Schon der Versuch sexuellen Missbrauchs von „widerstandsunfähigen Personen“ wird mit Freiheitsstrafen von bis zu zehn Jahren geahndet. Laut Presseberichten hatte der Vater einer Behinderten derartige Vorwürfe erhoben. Mehrere Betreuer und ein früherer Zivildienstleistender hätten die Berichte bestätigt. So seien Frauen von „Zuhälter-Limousinen“ mitgenommen worden, und ein behinderter Mann verdiene sich als „Stricher“ in Köln zusätzliches Geld. Man sei über die Vorwürfe in der Presse „erschüttert“ gewesen, sagte die Sprecherin des Diakoniewerks, Pastorin Ute Quednow, am 14. Januar der Evangelischen Nachrichtenagentur idea. Man habe selbst keine derartigen Hinweise und deshalb unverzüglich Anzeige gegen Unbekannt bei der Staatsanwaltschaft erstattet. Das Diakoniewerk gehe derzeit davon aus, dass sich der Verdacht nicht erhärte und behalte sich deshalb auch eine Klage wegen übler Nachrede vor. Außerdem habe man die Öffentlichkeit aufgerufen, der Einrichtung oder den Ermittlungsbehörden verdächtige Beobachtungen und Vorkommnisse zu melden. Vorbeugend würden in der Diakonieeinrichtung von jeher verschiedene Kurse zum Umgang mit Sexualität angeboten. Man prüfe, wie man diese Bemühungen noch verstärken könne. Das Taschengeld für die Bewohner betrage gemäß den Sozialhilfesätzen gut 96 Euro pro Monat.

Tarifvertrag mit ver.di: Droht Ausschluss aus der Diakonie?

Die 1884 gegründete Diakonieeinrichtung bietet rund 2.000 Wohnplätze für Menschen mit Behinderung an 20 Standorten; in Hildesheim und Umgebung sind es 860 Plätze. Insgesamt sind rund 2.400 Mitarbeiter beschäftigt. Im vorigen Jahr hatte die Einrichtung Aufsehen erregt, weil sie einen Tarifvertrag mit der Gewerkschaft ver.di vereinbart hatte. Dies entspricht nicht dem kirchlichen Arbeitsrecht, das auf dem sogenannten „Dritten Weg“ Arbeitsbedingungen in einer paritätisch von Dienstgebern und Dienstnehmern besetzten Kommission aushandelt. Arbeitskämpfe sind ausgeschlossen. Der Diakonische Dienstgeberverband Niedersachsens forderte nach dem Abschluss mit ver.di den Ausschluss der Diakonie Himmelsthür aus der Diakonie.

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