Familie wegen Übertritts zum Christentum verurteilt

 

Ägypten

Familie wegen Übertritts zum Christentum verurteilt

Der ägyptische Präsident Mohammed Mursi. Foto: dpa

Kairo (idea) – In Ägypten ist eine Familie wegen ihres Übertritts vom Islam zum Christentum zu 15 Jahren Haft verurteilt worden. Nadia Mohammed Ali, Mutter von sieben Kindern aus dem oberägyptischen Biba, war nach Informationen der Internationalen Gesellschaft für Menschenrechte (IGFM) ursprünglich Christin. Vor 23 Jahren wechselte sie zum Islam. 1991 starb ihr Ehemann, und sie entschloss sich, zum Christentum zurückzukehren. Sieben Beamte halfen ihr, die Namen und Religionszugehörigkeit der gesamten Familie in den Ausweispapieren zu ändern. Dafür wurden sie dem Nachrichtenportal „Moheet“ zufolge ebenfalls zu jeweils fünf Jahren Haft verurteilt. Die IGFM kritisiert das am 13. Januar ergangene Urteil gegen Ali als „eklatanten Bruch völkerrechtlich bindender Menschenrechtsverträge“ und fordert die deutsche Bundesregierung auf, vom ägyptischen Präsidenten Mohammed Mursi nachdrücklich die Freilassung der Familie zu fordern.

Neue Töne von Salafisten

Unterdessen sind beschwichtigende Töne der radikal-islamischen Salafisten-Partei Ägyptens gegenüber Christen mit Skepsis aufgenommen worden. Der am 10. Januar gewählte neue Parteivorsitzende, Younis Makhyoun, hatte versichert, dass Christen „friedlich und gemäß ihren eigenen religiösen Lehren“ leben könnten. Doch schenkt der Pfarrer der deutschsprachigen katholischen Gemeinde in Kairo, Joachim Schroedel, den Worten wenig Glauben. „Man kann nicht Salafist sein und gleichzeitig Christen umarmen“, sagte er dem Kölner Domradio. Muslimische Extremisten duldeten keine anderen Religionen und wollten das islamische Religionsgesetz, die Scharia, durchsetzen.

Christen rücken zusammen

Die christliche Minderheit in Ägypten rückt angesichts des verstärkten Drucks enger zusammen. Im Gespräch ist die Bildung eines nationalen Rates, dem Orthodoxe, Katholiken und Protestanten angehören sollen. Ihre Vertreter seien bereits mehrfach zu Gesprächen über die Bewertung des Arabischen Frühlings zusammengekommen, teilte der katholische Weihbischof Boutros Fahim Awad Hanna (Alexandria) der Nachrichtenagentur Fides mit. Nach Hannas Einschätzung hat sich seit dem Amtsantritt des koptisch-orthodoxen Papstes Tawadros II. im vergangenen November das Klima zwischen den Konfessionen deutlich verbessert. Die schätzungsweise bis zu zehn Millionen orthodoxen Kopten bilden die größte Kirche im Land am Nil. Hinzu kommen etwa 200.000 Katholiken, 40.000 Griechisch-Orthodoxe und 30.000 Protestanten. Die übrigen der rund 83 Millionen Einwohner sind Muslime.

 

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