Macht eine Göttin den Euro sicherer?

 

Macht eine Göttin den Euro sicherer?

Eine Gestalt aus der griechischen Mythologie im Wasserzeichen der neuen Scheine. Foto: Europäische Zentralbank

Frankfurt am Main/Berlin (idea) – Eine heidnische Göttin soll den Euro künftig vor Fälschungen schützen. Mario Draghi, Präsident der Europäischen Zentralbank, stellt am 10. Januar in Frankfurt am Main die neuen Fünf-Euro-Scheine vor, die ab Mai ausgegeben werden. Im Wasserzeichen und im Hologramm zeigen sie ein Abbild der phönizischen Prinzessin Europa aus der griechischen Mythologie. Ist die Wahl einer heidnischen Gestalt für das Geld ein Zeichen für die Abkehr Europas von seinen jüdisch-christlichen Wurzeln? Darüber gehen die Meinungen von evangelischen Christen in Kirche und Politik auseinander.

„Griff in die mythologische Mottenkiste“

Als „Griff in die mythologische Mottenkiste“ sieht der Vorsitzende der Deutschen Evangelistenkonferenz, der Baptistenpastor Jörg Swoboda (Buckow bei Berlin), die Wahl des Motivs. Es sei ein Zeichen der Ratlosigkeit und offenbare gleichzeitig den Wunsch nach Sicherheit in der Euro-Krise. Dies wirke wie plumper Aberglaube, sagte Swoboda auf Anfrage der Evangelischen Nachrichtenagentur idea. Wäre ein besserer Halt in Sicht gewesen, hätte man statt der Göttin Europa ein anderes Symbol gewählt. Die Abbildung auf den Geldscheinen werde Christen allerdings genauso wenig im Glauben berühren wie die ebenfalls nach Gottheiten benannten Raketen Ariane, Titan, Poseidon oder Apollo. Diese seien inzwischen längst verglüht.

Auch geeignet: Paulus und irische Mönche

Nach Ansicht des Präsidenten des Europäischen Wirtschaftssenats, Ingo Friedrich (Gunzenhausen/Mittelfranken), hätte man auch andere Personen aus der jüdisch-christlichen Tradition nehmen können, um der europäischen Währung ein einheitliches Gesicht zu geben. Denkbar sei etwa der Apostel Paulus, der den christlichen Glauben nach Griechenland brachte und dadurch den ganzen europäischen Kontinent nachhaltig veränderte. In Frage kämen auch irische Mönche, die maßgeblich zur Ausbreitung des Christentums beitrugen. Sie könnten bei anderen Geldscheinen gewürdigt werden, schlägt der evangelische CSU-Politiker vor. Er ist stellvertretender Vorsitzender seiner Partei, gehörte von 1979 bis 2009 dem Europäischen Parlament an und amtierte von 1999 bis 2007 als dessen Vizepräsident.

Eine Anleihe beim kulturellen Erbe

Keine Bedenken gegen die Wahl des Motivs für die neuen Geldscheine hegt der Theologe Kai Funkschmidt (Berlin) von der Evangelischen Zentralstelle für Weltanschauungsfragen (EZW). Bei dem Frauenkopf handele es sich nicht um ein religiöses Motiv, sondern um eine Anleihe beim kulturellen Erbe des Kontinents. Bei der Suche nach Motiven, die in allen 17 Euro-Staaten akzeptiert würden, habe man eine elegante Lösung gefunden. Sie sei kein Symptom für eine Abkehr vom Christentum. Die Säkularisierung lasse sich eher an der prinzipiellen Ablehnung eines Gottesbezuges im Entwurf der europäischen Verfassung festmachen.

 

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