Zentralrat der Juden Muslimischer Antisemitismus: Darüber spricht man nicht

Zentralrat der Juden

Muslimischer Antisemitismus: Darüber spricht man nicht

Muslimischer Antisemitismus: Darüber spricht man nicht
Der Präsident des Zentralrats der Juden in Deutschland, Dieter Graumann. Foto: PR

Berlin/Frankfurt am Main (idea) – Besorgt über antisemitische Haltungen unter jungen Muslimen hat sich der Präsident des Zentralrats der Juden in Deutschland, Dieter Graumann (Frankfurt am Main), geäußert. Über diese Tendenzen werde öffentlich nicht genug gesprochen, sagte der 62-Jährige der Tageszeitung „Die Welt“ (Berlin). „Wenn hier auf Schulhöfen und Sportplätzen ‚Jude’ als gängiges Schimpfwort gebraucht wird, ist das eine brennende Wunde, ein Skandal“, so Graumann. Die Verantwortlichen in den muslimischen Gemeinden müssten die Judenfeindschaft noch viel offensiver bekämpfen, gerade weil das in ihren eigenen Reihen unpopulär sein könne. Umso mehr bewundere der Zentralrat Gruppen, die den Antisemitismus in der Migrationsgesellschaft bekämpfen. Man dürfe zudem nicht verkennen, dass die allermeisten antisemitischen Straftaten von Rechtsradikalen begangen würden. Graumann bekräftigte gleichwohl, dass jüdisches Leben in Deutschland grundsätzlich sicher sei: „Wir lassen uns nicht einschüchtern.“

„Die Kraft des Glaubens nimmt ab“

Er verglich die Entwicklung des geistlichen Lebens der jüdischen Gemeinden mit dem Christentum: „Die Kraft des Glaubens nimmt ab. Wir haben in Deutschland immer mehr und schönere Synagogen, die leider aber oft immer leerer werden.“ Gerade junge Leute besuchten immer weniger den Gottesdienst. Graumann bekundete aber auch Respekt gegenüber Juden, die sich nicht in erster Linie über ihre Religion definieren, sondern über Kultur, Ethik oder das Gefühl einer Schicksalsgemeinschaft. Im Blick auf die heftigen Debatten um die Beschneidung von Jungen im Judentum und im Islam beklagte Graumann einen Mangel an Respekt vor Religion: „Es gibt auch einen säkularen Fundamentalismus, der alles zu verurteilen versucht, was mit Glauben zu tun hat.“

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