Großbritannien Euthanasie durch die Hintertür?

Müssen Patienten früher sterben, damit die Betten im Krankenhaus schneller wieder genutzt werden können? Foto: Pixelio/by Sassi

Müssen Patienten früher sterben, damit die Betten im Krankenhaus schneller wieder genutzt werden können? Foto: Pixelio/by Sassi

London (idea) – In Großbritannien lassen Ärzte Hunderttausende schwerkranke Patienten vorzeitig sterben. Ein Grund: Sie brauchen die Krankenhausbetten. Das behauptet der Neurologe Prof. Patrick Pullicino von der Universität von Kent (Canterbury). In einem Vortrag bei der Königlichen Medizinischen Gesellschaft am 18. Juni in London beklagte er den Missbrauch einer Richtlinie für Krankenhäuser des staatlichen Nationalen Gesundheitsdienstes NHS, wonach lebenserhaltende Maßnahmen bei Patienten beendet werden können, die nach menschlichem Ermessen in Kürze sterben werden. Wenn die Zufuhr von Flüssigkeit und Nahrung, etwa durch eine Magensonde, eingestellt wird, sterben die Patienten binnen 33 Stunden. Nach Pullicinos Angaben sind 29 Prozent der jährlich rund 450.000 Todesfälle in NHS-Krankenhäusern – also 130.500 Patienten – diesem Verfahren ausgesetzt. Er bezeichnete dies als einen „Weg zum Tod“, wie die Tageszeitung Daily Mail (London) berichtet. Es handele sich letztlich um „Euthanasie durch die Hintertür“, die in Großbritannien verboten sei.

Gesundheitsministerium bestreitet Angaben

Nach Pullicinos Worten ist es wissenschaftlich unmöglich zu bestimmen, dass ein Patient unweigerlich binnen kürzester Zeit sterben wird. Er selbst habe in mehreren Fällen interveniert und erlebt, dass Patienten wiederhergestellt worden seien oder zumindest erheblich länger gelebt hätten. Das Gesundheitsministerium bestreitet Pullicinos Angaben. Das von ihm kritisierte Verfahren werde „umsichtig und mit Bedacht“ angewandt, teilte das Ministerium der Daily Mail mit.

„Gelbe Karte“ für christlichen Arzt

Der NHS ist auch wegen religiöser Diskriminierung von Christen öfter ins Gerede gekommen. Laut einer Richtlinie werden Missionierungsversuche von Ärzten oder Pflegepersonal als Belästigung oder Einschüchterung angesehen. Jüngst handelte sich ein Arzt eine Rüge ein, weil er einem suizidgefährdeten Patienten geraten hatte, sich Jesus zuzuwenden. Der 51-jährige Allgemeinmediziner Richard Scott aus Margate (Grafschaft Kent) hatte angeblich gegenüber einem 24-Jährigen erklärt, dass der Teufel Menschen bedränge, wenn sie sich nicht an Jesus halten. Dafür zeigte ihm die Ärztekammer die „gelbe Karte“. In den nächsten fünf Jahren darf er sich nichts mehr zuschulden kommen lassen, sonst setzt er seine Approbation aufs Spiel. Scott bezeichnete seine Anhörung als „Scharade“. Die Ärztekammer wäre nicht eingeschritten, wenn es sich um einen religiösen Hinweis etwa auf Reiki oder den Islam gehandelt hätte, so der früher in Indien und Ostafrika tätige evangelikale Missionsarzt.

Katholikin klagt wegen religiöser Diskriminierung

Anfang Juni hatte eine katholische Abtreibungsgegnerin den NHS wegen religiöser Diskriminierung verklagt. Die 40-jährige psychologische Beraterin war wegen „groben dienstlichen Fehlverhaltens“ vom Dienst suspendiert worden. Sie hatte gegenüber Kolleginnen ihre Sorge darüber zum Ausdruck gebracht, dass Schwangere unzureichend über seelische Belastungen nach Abtreibungen aufgeklärt würden.

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